Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Über Kunst, Künstler und Kunstwerke
Person:
Valentin, Veit
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1392977
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1396008
RAFFAELS TRANSFIGURATION. 249 
 
darf sie auch auf Einheit der Wirkung rechnen, ohne 
welche die Einheit der Gesamterscheinung nicht zugleich 
eine innerlich berechtigte wäre. Wie die zeitlich auf- 
einander folgenden Augenblicke sich hierbei räumlich ver- 
teilen, ist unwesentlich: der Raum ist ein so enge begrenzter, 
daß der dadurch ermöglichte rasche Überblick sofort die 
beabsichtigte Folge erkennen läßt. Es sind in der That 
ebensowohl der Weg aufwärts wie der Weg abwärts ge- 
wählt worden. So giebt Schnorr in einer Illustration zum 
Tode Siegfrieds in der Holzschnittausgabe des Nibelungen- 
liedes den Zusammenhang so, daß er in der Lünette uns 
die ahnungsvollen Träume der Chriemhild sehen läßt, im 
Hauptbilde darunter den Mord Siegfrieds und in der Pre- 
della die nächtliche Heimkehr von der Jagd mit dem 
Leichnam des Helden. So zeigen sich auf einen Blick 
die Vorahnung des schrecklichen Ereignisses, dessen Aus- 
führung und der erschütternde Erfolg: gerade die so rasch 
hergestellte Zusammenfassung der Hauptmomente des 
ganzen Ereignisses ermöglicht die ergreifende Wirkung 
der tragischen Empfindung in weit reichhaltigerer und 
umfassenderer Weise als wenn das Hauptbild allein uns 
den Tod des Helden erzählte. Die Gesamtwirkung ist 
aber eine durchaus einheitliche, und man wird das Recht 
haben, in diesem Sinne dem Kunstwerke die volle Einheit 
zuzuerkennen: der Künstler hat alles vermieden, was 
diese einheitliche Wirkung stören könnte, trotzdem er 
an Stelle der einheitlichen Handlung das aus einer Reihe 
von Handlungen bestehende Ereignis gesetzt hat. 
Verzichtet der Bildkünstler auf dieses Mittel und be- 
schränkt sich auf das ihm durch die Natur seiner Kunst 
zunächst gegebene Feld, das einfache, für sich ein Ganzes 
ausmachende Bild, so legt er sich damit die schwierigere 
Aufgabe auf, daß innerhalb dieser so gezogenen Grenze 
nicht nur die Wirkung, sondern auch die Handlung eine 
einheitliche sei : d. h. die Thätiglteit der einzelnen Personen 
muß in leicht erkennbarem Zusammenhange stehen, so 
daß dieser sich als eine Notwendigkeit ergiebt, welche 
sich in unmittelbarer Wirkung und Folge äußert. Die 
Einheit der Handlung ist gestört, wenn die Thätigkeit
        

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