Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Über Kunst, Künstler und Kunstwerke
Person:
Valentin, Veit
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1392977
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1395966
Dns Vxauus von Mn.o. 245 
regt und in kräftigem Wellenschlag alle Glieder durch- 
dringt, jedes nach seiner Art bewegt, aus jedem die Antwort 
hervorlockt, die es nach seiner Stellung im Ganzen, nach 
der Eigenart seines Baues und seiner Funktionen geben 
muß. Dies zu können ist aber Sache des großen Meisters, 
und als solchen lobt den Namenlosen sein Werk, die 
hohe Frau von Milo. 
Wir könnten uns mit dieser Erkenntnis wohl genügen 
lassen: sie hätte bei dem Versuche das Rätsel zu lösen, 
das Wesentlichste der wissenschaftlichen Forschung erreicht, 
sie hätte erkannt, was dargestellt ist. Diese Lösung wäre 
indessen erst ganz vollständig, wenn wir auch wüßten, 
wer dargestellt ist, da dann die Absicht des Künstlers voll- 
ständig verstanden werden kann. 
Hier muß zunächst festgestellt werden, daß die auch 
hier mit ihrem traditionellen Namen so genannte nVenus 
von Miloa keineswegs eine Venus sein muß. Das einzige 
Attribut, welches hierfür mit einiger Sicherheit sprechen 
könnte, wäre der Apfel in der linken Hand. Allein es 
ist nicht nachgewiesen, daß er von Anfang an zu der 
Statue gehört hat, wenn er überhaupt zu ihr gehört hat. 
Es bleibt also nur der Eindruck der Schönheit übrig; diese 
kommt jedoch auch anderen Göttinnen wie auch irdischen 
Frauen zu. Der unbestreitbar vorhandene Ernst des Aus- 
drucks aber stimmt nicht zu der namentlich später üblichen 
Art der Darstellung der Venus. Dies schließt jedoch die 
Möglichkeit nicht aus, daß die Liebesgöttin auch einmal 
ernst aufgefaßt sein könnte: ihr ist weder jede Liebe noch 
jeder Bewerber recht; sie kann daher auch einmal zurück- 
weisen. 
Nun bietet die Mythologie eine Erzählung, welche die 
Beschaffenheit der hier vorausgesetzten Lage am besten 
erläutern könnte: die von Aktäon beim Bade erblickte 
Artemis. Denkt man sich die Göttin an dem Wasser 
stehend oder dem Bade wieder entstiegen, so erklärt es sich, 
Warum das Gewand nur in einem Tuche besteht. Da wird 
sie erblickt, und während das Weib in ihr nach dem nur 
lose umgeschlagenen und nur momentan von den Beinen 
durch Spannung gehaltenen, zum Fallen geneigten Gewande
        

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