Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Über Kunst, Künstler und Kunstwerke
Person:
Valentin, Veit
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1392977
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1393491
TRACHT 
MODE. 
UND 
rade durch den Mangel scharf sich ausprägender und daher 
symbolisch darstellbarerEigentümlichkeit sich charakterisiert. 
Wir sehen ferner, daß Zeiten, welche große politische und 
damit zusammenhängende soziale Veränderungen hervor- 
bringen, Zeiten, welche den Unterschied der durch Trach- 
ten geschiedenen Stände verwischen, zugleich auch die 
Trachten selbst aufheben und allgemeingiltige und gerade 
dadurch für den Einzelnen nicht mehr symbolische Klei- 
dung einführen. Die merkwürdigste Umwälzung dieser 
Art ist wohl die französische Revolution gewesen. Als 
1789 die Reichsstände in Frankreich zum ersten Male nach 
langer Zeit sich wieder versammelten, erschien neben der 
im Glanze ihrer reichen Trachten strahlenden Geistlichkeit 
der Adel in Mänteln von schwarzem Samt, die mit Gold- 
stoff gefüttert und mit Spitzen besetzt waren, und in Hüten 
mit hohen Federn; die Abgeordneten des dritten Standes 
trugen jedoch einfache schwarze Mäntel, weiße Halsbinden 
und Hüte ohne Knöpfe und ohne Federn. Aber wie 
bald schon ward aus der Ständeversammlung die National- 
versammlung, wie bald kam der 5. August und hob alles, 
was an Ständeunterschiede erinnerte, auf, wie bald kamen 
die anderen wilderen Stürme, die selbst monsieur und 
madame nicht schonten, sondern das ausgleichende, jeden 
Unterschied verwischende citoyen und citoyenne an ihre 
Stelle setzten. Und als nun nach jahrelangen Kämpfen der 
Sturm sich abkliirte, da hatte sich das allgemeine, für den 
Einzelnen charakterlose Gesellschaftskleid entwickelt, und 
es erhält sich noch bis auf den heutigen Tag: es ist der 
Frack, der vielbespottete und doch für unsre Kulturver- 
hältnisse, welche die Ausschließting einzelner Stände 
nicht mehr dulden, so charakteristische Frack. Er wird 
von jedem getragen, der zur Gesellschaft gehört. Diese 
selbst aber ist nichts Abgeschlossenes. In sie tritt jeder 
ein, der eine gewisse Bildung mitbringt, und sie rekrutiert 
sich fortwährend aus Klassen der Bevölkerung, die nach 
der alten Standeabteilung für immer von ihr ausgeschlossen 
gewesen wären. 
Wie die Schwierigkeit des Verkehrs die Tracht be- 
fördert hatte, so wird die Leichtigkeit des Verkehrs der
        

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