Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Über Kunst, Künstler und Kunstwerke
Person:
Valentin, Veit
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1392977
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1395788
VENUS 
DIE 
MILO, 
VON 
23x 
welche der Statue in die zu ergänzende linke Hand 
den Speer, den Spiegel, den Apfel geben oder sie mit 
der rechten Hand auf den mit der linken oben angefaßten, 
auf den linken Oberschenkel gestützten Schild schreiben 
oder sie sich in diesem spiegeln lassen. Keiner dieser 
Versuche vermag die energische, komplizierte Körper- 
bewegung zu erklären, weil sie bei keiner dieser Ergän- 
Zungen nouvendig ist; ja, sie wäre sogar bei jedem der- 
selben geradezu fehlerhaft. Alle diese Versuche sind also 
aufzugeben, es sei denn, daß man, um bei ihnen zu ver- 
harren, lieber dem Künstler die Stümperei eines inneren 
Widerspruches zutraut, die mit der sonstigen Trefflichkeit 
des Werkes nicht im Einklang steht. Dann aber gebe man 
es auf, die meliscl1e Statue als Meisterwerk ersten Ranges 
anzusehen und versuche nicht Widersprechendes vereinigen 
zu wollen. Wir jedoch bleiben bei unserer Voraussetzung: 
der Künstler dieses Werkes erscheint als ein solcher, daß 
seinem Werke die innere Folgerichtigkeit nicht abgesprochen 
werden darf, und weisen demnach die typischen Ergänzungs- 
und Erklärungsversuche als mit dem Grundcharakter des 
Werkes in Widerspruch stehend zurück. 
Nach der Feststellung des allgemeinen Charakters des 
Hauptmotives unserer Statue ergiebt sich als die weitere 
Aufgabe, dieses selbst zu erkennen. Wir verwenden hierzu 
die Nebenmotive, weil diese als Folge aus dem Hauptmotiv 
entspringen und daher mit diesem in Einklang stehen 
müssen. Das charakteristischeste Nebenmotiv der melischen 
Venus ist in der Gewandung enthalten. Sie zeigt uns 
einen Zug, der sich bei keiner der mehr oder weniger 
ähnlichen und vom archäologischen Standpunkte stets zur 
Vergleichung herangezogenen Statuen in gleicher Weise 
wiederfinden Nur einmal noch kommt er ähnlich, jedoch 
in abgeschwächter Weise vor: bei der Venus Torlonia 
(Tafel IV, Fig. I0, vergl. Text S. 49 f). Es ist die durch 
das starke Vortreten des linken Beines veranlaßte Spannung 
des Gewandes und die sich daraus ergebenden wenigen 
großen, aber kräftigen, von links nach rechts abwärts 
ziehenden Querfalten. Wäre das Aufstützen des linken 
Fußes nur ein sogenanntes vkünstlerischestt Motiv, ge-
        

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