Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Über Kunst, Künstler und Kunstwerke
Person:
Valentin, Veit
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1392977
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1395676
220 
VENUS 
DIE 
Mmo. 
VON 
werk entgegen, das der kleinen, unbedeutenden Insel Milo 
entstammt, und das der erstaunten Welt als eine neue 
Offenbarung der hellenischen Kunst entgegentrat, auf 
welche kein Ruhm des Ortes, kein Name eines Künstlers, 
kein Wort eines Schriftstellers vorbereitet hatte. Und als 
ob dieses Werk recht eigentlich zum Gegenstande ruheloser 
Forschung bestimmt sein sollte, wird es uns in zertrümmertein 
Zustandeim Vereine mit rätselhaften Bruchstücken überliefert, 
und zu dem historischen Rätsel gesellt sich das künstlerische 
mit der Frage nach der Ergänzung. 
Will man an die Lösung dieser Fragen herantreten, 
so erscheint es dem Thatbestande der Vereinzelung der 
Statue gegenüber angezeigt, die Hilfsmittel zur Lösung des 
Rätsels zunächst dem Werke selbst zu entnehmen: ist sie 
doch die einzige authentische Interpretation der Absicht 
des Künstlers, neben welcher alle übrigen Hilfsmittel der 
Erkenntnis nur auf den Wert von Apokryphen Anspruch 
machen können. Da ist es denn von Wichtigkeit, gleich 
die ersten Momente ihrer Wiedergeburt zu verfolgen, zumal 
da sich naancherlei Mythen an diese geknüpft haben: die 
Melierin unterliegt auch hierin dem allgemeinen Schicksale 
der Götter. Wir beschränken uns hierbei auf das, was 
sich aus dem Wirrsal widersprechender Berichte als That- 
sache herausschalen läßt: dies ist an sich schon so reich 
an dramatischer Verwickelung, dalS es des künstlichen 
Aufputzes nicht bedarf, um die teilnehmende Empfindung 
in Spannung zu erhalten. Glücklicher Vv'eise löst sich 
diese friedlicher, als es eine Zeit lang der tragisch ge- 
scliürzte Knoten erwarten zu lassen schien. 
Anfangs April 1820 grub der griechische Bauer Yorgos 
auf seinem Felde, etwa fünfhundert Schritte von den Ruinen 
des antiken Theaters von Melos, welches, nach seiner 
Entdeckung im Jahre 1814 durch Baron Haller, vom Kron- 
prinzen Ludwig von Baiern angekauft worden war. Das 
Feld lag in der Nähe der alten Stadtmauer und über den 
Gräbergrotten, die auf der rechten Seite des Thales, das 
zum Meere hinführt, in die Felsen eingehauen sind. Steine 
jener Mauer, welche der Bauer gefunden, und welche er 
verwerten zu können hoffte, regten ihn an, weiterzugraben.
        

Nutzerhinweis

Sehr geehrte Benutzer,

aufgrund der aktuellen Entwicklungen in der Webtechnologie, die im Goobi viewer verwendet wird, unterstützt die Software den von Ihnen verwendeten Browser nicht mehr.

Bitte benutzen Sie einen der folgenden Browser, um diese Seite korrekt darstellen zu können.

Vielen Dank für Ihr Verständnis.