Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Über Kunst, Künstler und Kunstwerke
Person:
Valentin, Veit
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1392977
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1393472
M005. 
TRACHT UND 
 
 
Eine derartige Tracht wird nun mit wenigen Ausnah- 
men, wie etwa bei den Fürsten, immer eine Anzahl Gleich- 
artiger charakterisieren. Es ist klar, daß einerseits hierdurch 
das Individuum zurücktreten und in der Entfaltung und 
Äußerung seiner Selbständigkeit gehindert werden muß. 
Solche Trachten werden daher da eintreten, wo die Indi- 
viduen geneigt sind oder sich doch den Zwang gefallen 
lassen, hinter einer Gesamtheit zurückzutreten, also in Zeiten, 
welche den Stempel der bereitwilligen Unterwerfung des 
Einzelnen unter die Gesamtheit tragen, wie in den ab- 
soluten Herrschaften des Altertums: da werden sie sogar 
zwangsweise eingeführt und getragen und charakterisieren 
sich durch eine die Entfaltung des Individuums verschlingende 
Einförlnigkeit. Trachten werden aber andererseits auf- 
treten, wenn die Individuen bereits anfangen, sich in 
ihrer Bedeutung, in ihrer Berechtigung dem großen Ganzen 
gegenüber zu fühlen, und wenn sie nun zur Auslebung 
ihrer Individualität sich trotzig dem Ganzen widersetzen, 
sich von ihm lostrennen und außerhalb des großen Stromes 
der Völkerbewegtmg ihre vollste Befriedigung im Gefühle 
ihrer Sonderexistenz erlangen. Da werden alle die zahllosen 
kleinen Ganzen suchen, ihrer so hochgeschätzten Be- 
sonderheit auch einen äußeren Ausdruck zu verleihen, und 
wo wäre das leichter und deutlicher zu finden als in der 
Kleidung? Hierdurch aber wird diese zur Trägerin einer 
symbolischen Bedeutung, und um dieser willen entzieht sie 
sich möglichst allem Wechsel, d. h. sie wird zur Tracht, 
aber zu einer Tracht, welche sich frei und unbeeinflußt 
von oben entwickelt, daher die größte Mannigfaltigkeit 
darbietet und für das Individuum gleichsam die Schutz- 
mauer wird, durch welche es seine Eigenart vor dem 
Einflüsse aller Anderen abschließt. YVohl keine Zeit ist 
reicher in dieser Art der Tracht gewesen als das europäische 
Mittelalter, welches sich auch nach dieser Seite hin aller- 
dings noch viel weiter als bis zur Reformation erstreckt. 
Diese Abschließung wird noch ganz besonders be- 
günstigt durch die örtlichen Verhältnisse und die von ihnen 
veranlaßte Schwierigkeit des Verkehrs. Ist es doch eine be- 
kannte und sich immer und immer wiederholende Er-
        

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