Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Über Kunst, Künstler und Kunstwerke
Person:
Valentin, Veit
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1392977
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1395628
MORITZ von 
 
Scnwmn. 
215 
N. 30) entschieden koloristisch wirkt. Allein er kann und 
will dem allmählich immer mehr erwachenden Farbentaumel 
nicht folgen. Gerade der Besuch der großen Pariser Aus- 
stellung 1856 bringt ihn zu dem Entschlusse, diesen Weg 
nicht mitzugehen, sondern sich um so entschiedener dem 
Aquarelle zuzuwenden. Hier hat er die ihm zusagendste 
Technik gefunden, noch weit mehr als im Fresko, das er 
auf der Wartburg angewendet hat: so schön besonders 
die sieben Barmherzigkeiten in der Erfindung und der 
Zeichnung sind,  die Farbe kann wenig ansprechen. Das 
Aquarell aber bot ihm die zartesten Mittel, sein Kolorit 
zugleich dem jedesmaligen Gegenstande der Darstellung 
anzupassen, so daß gerade hier die innere Notwendigkeit 
der Farbe am deutlichsten erscheint und es berechtigt ist, 
für dieses Gebiet von einer besonderen koloristischen 
Begabung Schwinds zu sprechen. 
S0 wächst Schwind aus seiner Zeit, seinem Charakter, 
seiner künstlerischen Begabung zu einer Persönlichkeit 
hervor, die trotz dem innigen Zusammenhange mit den 
die Zeit bewegenden Gedanken ihre volle Eigentümlichkeit 
erreicht und sich dadurch eine bleibende Stellung in der 
Kunstentwickelnng erringt. Sicher sind auch seinem Wirken 
Grenzen gesetzt. So fehlt ihm der große historische Zug, 
welcher Völkergeschicke und ihre Wendungen in einem 
einzigen Augenblicke zusammenzufassen und in erschüttern- 
der Größe darzustellen weiß. Dafür aber tritt er unserem 
Herzen näher und weiß das Einzelgeschick der Menschen in 
Scherz und Ernst zum Gegenstande innigsten Mitgefühles zu 
machen. Er versteht es die in jeder Menschenbrust lebende 
Ahnung höheren überirdischen Daseins zu berühren und 
unsere Phantasie mit Gestalten zu füllen, die uns durch ihre 
Lebenswahrheit erfreuen und uns doch darauf hinweisen, 
daß die Kunst die Prophetin eines idealeren Daseins ist als 
es die Alltäglichkeit zu bieten vermag. S0 kann seine Kunst 
nicht nur erfreuen, sie kann auch erheben, trösten, mit 
ahnnngsvoller Hodnung erfüllen. Vor allem aber versteht 
er es, das deutsche Herz zu berühren und den köstlichen 
Schatz, der in des deutschen Volkes Mährchen- und Zauber- 
welt versteckt liegt, zu heben und dadurch zu einer tieferen
        

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