Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Über Kunst, Künstler und Kunstwerke
Person:
Valentin, Veit
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1392977
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1395604
MORITZ vom SCHWIND. 
 
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Künstler sich schon im Ritter Kurt gestellt hatte: bei diesem 
ersten Versuche mußten, um die Einheit des Gesamtbildes 
festzuhalten, die einzelnen Szenen im Raume vertieft 
werden. Dabei wurden aber auch die Figuren immer kleiner, 
und die einzelnen Szenen erlangten keine selbständige 
Bedeutung. Hier steht jede Szene neben jeder anderen 
gleichberechtigt, und die Schöpferkraft des Künstlers ge- 
winnt durch den gleichen Wert aller Szenen eine weit 
größere Möglichkeit sich in sorgfältig durchgeführten Er- 
iindungen und Gestaltungen zu äußern. Es ist keine Frage, 
daß die Zusammengehörigkeit des Ganzen als einer ein- 
heitlichen Handlung durch dieses ununterbrochene Dahin- 
ziehen der Örtlichkeit in hohem Grade unterstützt wird, 
so daß wir sagen dürfen, daß auch nach dieser Seite hin 
das letzte Werk des Künstlers die beste Lösung des schwie- 
rigen Problems darbietet: das örtliche Nebeneinander und 
das zeitliche Nacheinander stimmen vollständig zusammen 
und zwar unter möglichster Bewahrung der einheitlichen 
Erscheinung der Gesamtörtlichkeit. 
Ein weiterer Grundzug der künstlerischen Begabung 
Schwinds ist die geistvolle Auffassung, mit welcher er an 
alles herantritt. Aus ihr entspringt der unerschöpfliche 
Quell seines SchaHens, da selbst das Alltäglichste sich ihm 
in neuer, überraschender, sinniger Weise gestaltet. Zeugnis 
hierfür legen seine Werke überall ab. Besonders sei aber 
hier auf die von ihm selbst radierten Wein- und Rauchepi- 
gramme hingewiesen (N. 90-131), zu welchen Feuchters- 
leben die hübschen Verse gedichtet hat (s. Schlußvignette 
S. 216), und seine Entwürfe für das Kunstgewerbe (N. 332- 
363). Schwind gehört zu den ersten der neueren Maler, die 
es nicht unter ihrer Würde halten für das Kunstgewerbe zu 
schaffen: er erkennt, daß, um den Gebrauchsgegenstand 
künstlerisch zu gestalten, ein Künstler nötig sei. Besonders 
befähigt hat ihn hierzu der Reichtum "seiner Erfindungs- 
kraft, die nach der ernsten wie nach der humoristischen 
Seite hin sich hier frei ergehen konnte. Bei vielen Ent- 
Würfen hat er offenbar nie an eine Ausführung gedacht; 
der sinnvolle Gedanke, der sich ihm aufdrängte, reizte ihn: 
er hielt ihn fest und führte ihn aufs "sorgfältigste in der
        

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