Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Über Kunst, Künstler und Kunstwerke
Person:
Valentin, Veit
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1392977
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1395587
MORITZ von Scnwmn. 
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wenn die Verwendung des Aschenbrödels als Zimmerfries 
zur Ausführung gekommen wäre: jetzt existiert sie nur im 
Aquarellentwurf (N. 76-81). Sie giebt einen schönen 
Beweis für Schwinds Beherrschung des Raumes: der 
Künstler gestaltet die überhöhte Komposition jedes Bildes 
in eine langgestreckte friesartige um: er ihut dabei der 
Komposition nicht nur keine Gewalt an, sondern ent- 
wickelt sogar aus der neuen Form noch neue Reize, wie 
bei der Ankleideszene der Schwestern. Nicht unerwähnt 
möge hier das neu hinzugefügte Mittelblatt bleiben, welches 
die Schmückung Aschenbrödels darstellt. Links sehen wir 
durchs Fenster die Tauben beschäftigt, Aschenbrödels Auf- 
gabe zu erfüllen. Sie selbst ist herausgetreten und neigt 
sich demütig, um von der Fee das kostbare Gewand zu 
empfangen. Neben dieser stehen dem Aussehen nach 
zwei Pagen: sie sind thatsiichlich Feen und bestaunen sich 
gegenseitig in ihrem männlichen Aufputz, können aber 
dabei ihre weibliche Natur so wenig verleugnen, daß sie 
die Hatternden Bänder tastend prüfen und die feinen Stoffe 
bewundern. Rechts schließt die Karosse das Bild ab, deren 
feurige Pferde das Abfahren kaum erwarten können. Auch 
hier ist die Einheit des Nebeneinander durch die Einheit des 
{Ortes aufgewiesen, für wtelchen der Fries bestimmt war. 
Ein anderer Weg kann in der Weise eingeschlagen 
werden, daß die einzelnen Szenen zu einer großen Komposition 
sich vereinigen, sodaß das Ganze sich als ein einziges 
Gesamtbild darstellt. Da hierbei die Vielheit der Örtlich- 
keiten ebenso wenig zu umgehen ist wie das mehrfache 
Erscheinen einer und derselben Persönlichkeit, so ergiebt 
sich eine neue Schwierigkeit: diese kann jedoch durch die 
perspektivische Vertiefung im Raume und durch die Ge- 
schicklichkeit vermieden werden, mit welcher der Künstler 
jeder einzelnen Szene den Charakter einer örtlichen Ab- 
geschlossenheit zu geben weiß. Dies hat Schwind beim 
Ritter Kurt (N. 473) gethan. Von der Burg aus im Hinter- 
grunde sehen wir den Weg durch mancherlei Krümmungen 
in die Stadt auf den Hauptplatz herabführen. Aber der Ort 
am Bnrgthor, der Platz des Überfalls, der Waldweg, wo 
die frühere Geliebte den Ritter aufhält, der Marktplatz sjeglbst  
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