Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Über Kunst, Künstler und Kunstwerke
Person:
Valentin, Veit
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1392977
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1395570
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VON 
MORITZ 
Scuwmn. 
eben diese Erzählungskunst bringt ihn auch dazu, die 
wsieben Werke der Barmherzigkeitcr aus der Zufälligkeit 
ihrer Darstellung herauszunehmen und sie zur Erzählung 
des Lebens der heiligen Elisabeth zu verwenden: Elisabeth 
selbst ist es, welche alle diese Werke ausführt, so dass 
die schönen Bilder zugleich die Tugenden schildern und von 
der ganz bestimmten Persönlichkeit und ihrem Leben 
erzählend berichten. Gerade diese hervorragende Fähigkeit 
zu erzählen aber mußte den Künstler über das Einzelbild 
hinausführen: will der Bildkünstler wirklich erzählen, 
also nicht nur einen einzelnen Augenblick so andeuten, 
daß wir auf sein Werden zurück- und auf seine Folgen 
vorwärtsschauen können, sondern eine ausgedehntere Hand- 
lung in der Gesamtentwickelung ihrer Hauptmomente auf- 
weisen, so bleibt ihm nichts anderes übrig als eine Reihe von 
Bildern zu geben. Wo Schwind bei einem Bilde stehen 
bleibt, zieht er Situationen vor, die zum Ausspinnen der 
Stimmungen und Gedanken reizen: wo er Handlungen 
geben will, wählt er die Bildreihe, den Zyklus. Das ein- 
fachste Verfahren ist dies, daß für jeden hervorragenden 
Augenblick der Handlung ein besonderes Bild geschaffen 
wird. Allein hier liegt die Gefahr vor, daß die Zusammen- 
gehörigkeit der Bilder nicht scharf genug betont wird und 
daß sie thatsächlich auseinandergerissen und vereinzelt 
werden können. Um nun die Zusammengehörigkeit gleich- 
sam zu erzwingen, jedenfalls aber sie jeden Augenblick ins 
Bewußtsein zu rufen, giebt es zwei Wege: Schwind hat 
sie beide versucht, ja man kann wohl sagen, daß selbst 
innerhalb dieser beiden Wege jedes neue Werk ein neuer 
Versuch war, das Nacheinander der Dichtkunst mit dem 
Nebeneinander derBildkunst in Einklang zu setzen. 
Der eine Weg ist der, daß die für jeden Zeitpunkt 
neugeschaifenen Bilder durch ihre Aufstellung oder Grup- 
pierung einen äußeren Zusammenhang unzerreißbarer Art 
erhalten. So hatte sich Schwind seine Aschenbrödel- 
kompositionen als Wandfüllungen gedacht, woraus sich 
zugleich die stark überhöhte Form der Hauptbilder erklärt 
(N. 511). Hier hätte der gemeinsame Raum den Eindruck 
der Zusammengehörigkeit bewirkt. Ebenso wäre es gewesen,
        

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