Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Über Kunst, Künstler und Kunstwerke
Person:
Valentin, Veit
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1392977
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1393461
TRACHT um) Mont. 7 
_L     
Sobald nun aber irgend ein Kleidungsstück eine 
Symbolische Bedeutung gewonnen hat, wird es dem 
Wechsel entzogen und bleibt selbst dann noch treu be- 
wahrt, wenn die Erinnerung an die ursprüngliche Bedeutung 
längst aus dem Bewusstsein geschwunden ist. So tritt in 
den Wechsel das Bleibende hinein. Aber noch mehr. Da 
wohnen zwei Stämme nebeneinander. jedes Mitglied des 
einzelnen Stammes halt eifersüchtig darauf, dass es als 
gerade diesem Stamme zugehörig erkannt werde. Eine 
bestimmte Bemalung seines Körpers, irgend ein anderer 
als Abzeichen dienender Schmuck gewährt ihm diesen 
Dienst, und dieses Abzeichen wird nun tinveränderliches, 
charakteristisches Merkmal dieses Stammes: die Möglichkeit 
des Wechsels in der Kleidung ist wiederum gehemmt. WO 
wir nun finden, daß der ursprünglich mögliche und meist 
auch vorhandene Wechsel in der Kleidung eine Unter- 
brechung erleidet und zwar so, daß dadurch ein Teil der 
Kleidung oder die ganze Kleidung eine symbolische Be- 
deutung erlangt, da wird die Kleidung zur Tracht. Wir 
können also immer nur da von einer Tracht reden, wo 
die Kleidung, ganz oder zum Teil, Trägerin einer be- 
stimmten, tirsprünglich klar bewußten, meist freilich durch 
die Länge der Zeit verdunkelten Bedeutung ist. Solche 
Trachten finden sich bei allen Völkern und zu allen Zeiten, 
vorztigsweise bei allen Kulturvölkern. Sie äußern sich be- 
sonders deutlich in der Scheidung verschiedener Stände oder 
Kasten innerhalb desselben Volkes, oder des Ranges inner- 
halb eines jeden Standes; ja selbst das Bekenntnis mußte 
sich eine äußere Darstellung durch die Tracht gefallen 
lassen, wie denn die Mohammedaner in Ägypten die 
Christen zwangen, blaue Turbane zu tragen, während die 
Juden gelbe tragen sollten. Grün aber war die Farbe für 
die echten Nachkommen des Propheten. Und uns selbst 
liegen dergleichen Beispiele nicht ferne: wir brauchen nur 
an unsere weltlichen und nicht minder die geistlichen 
Soldaten zu denken, deren gewaltige Schaaren durch die 
Tracht nicht nur überhaupt sich kenntlich machen, sondern 
Sogar die Waffen andeuten, mit welchen sie in den Kampf 
ziehen. 
TRAcnT um: 
MODE.
        

Nutzerhinweis

Sehr geehrte Benutzer,

aufgrund der aktuellen Entwicklungen in der Webtechnologie, die im Goobi viewer verwendet wird, unterstützt die Software den von Ihnen verwendeten Browser nicht mehr.

Bitte benutzen Sie einen der folgenden Browser, um diese Seite korrekt darstellen zu können.

Vielen Dank für Ihr Verständnis.