Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Über Kunst, Künstler und Kunstwerke
Person:
Valentin, Veit
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1392977
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1395521
VON 
Momrz 
Scuwnw. 
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solche Verbindung ist unheimlich, und wir verstehen es, daß 
der Mensch, sobald er sich der Thatsache bewußt wird, von 
Zorn ergriffen seines Wortes vergißt, und tiefes Mitleid er- 
faßt uns, wenn wir sehen, wie durch ein solches begreifliches 
Verschulden Mann und Weib, Mutter und Kinder getrennt 
werden, und wie keine Sehnsucht, keine Reue das uner- 
bittliche Gesetz der höheren Welt brechen kann. Meister- 
haft aber zeigt uns der Künstler den Unterschied der 
Menschen- und der Nixennatur in der Weise, daß er die 
Nixe am Anfange und am Ende in ganz gleicher Erschei- 
nung in ihrem Quellhause darstellt: sie lebt ewig; für 
sie ist nur eine vorübergehende Episode, was für den 
Menschen die Ausfüllung seines Lebensschicksales geworden 
ist, und wenn er zu Grunde geht, so existiert sie, nach 
wie vor weiter fort, und selbst wenn sie trauernd dem 
kurzen Erlebnis nachsinnt  sie ist dieselbe wie vorher. 
So zeigen Schwinds Werke eine ununterbrochene 
Steigerung der inneren Bedeutsamkeit seiner künstlerischen 
Probleme, so wie bei dem reifenden und alternden Menschen 
tieferer Art die Lebensanschauung eine ernstere wird, indem 
das Leben selbst als immer schwierigeres Problem sich offen- 
bart und seine rätselhaften Seiten immer deutlicher ins Be- 
wußtsein treten. Wenn mit dieser Thatsache die selbstgestell- 
ten Aufgaben eines Künstlers Handin Handgehen, so gestattet 
dies einen wertvollen Einblick in seine innere Entwickelung. 
Fragen wir nun aber nach den künstlerischen Mitteln, 
mit welchen Schwind an die Lösung seiner Aufgaben 
herantrat, so springen einige Grundzüge seiner künstlerischen 
Begabung sofort in die Augen. 
Vor allem möchten wir seine Fähigkeit betonen ein 
künstlerisches Ganzes zu gestalten, das den Eindruck der 
Wesenseinheit und der Notwendigkeit des Abschlusses 
macht. In der Welt selbst giebt es nichts Abgeschlossenes: 
überall zeigt sich eine Fortsetzung, überall kann man an- 
knüpfen und fortfahren. Die wesentlichste Eigenschaft 
des Kunstwerkes ist aber die, daß es ein Ganzes bildet, 
bei dem man die Fortsetzung weder vermißt noch über- 
haupt auf den Gedanken kommt, daß eine solche vorhanden 
sei: die äußerlich gegebene Endlichkeit des Kunstwerks
        

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