Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Über Kunst, Künstler und Kunstwerke
Person:
Valentin, Veit
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1392977
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1395481
MORITZ 
VON 
Scuwxxn. 
203 
er und ist in seliger Stimmung: so sind seine jugendbriefe 
an seinen Freund Schober von einer schwärmerischeii Hin- 
gebung, als schriebe der jüngling an die Geliebte. Findet 
er seine Erwartungen nicht erfüllt, so verfällt er in Trauer 
und Verzweiflung, und derselbe Mensch, den wir eben noch 
himmelhocli jauchzen hörten, ist jetzt zum Tode betrübt und 
schafft seine DTOLlCSgGÖZIIIkCIIK, sechzig Entwürfe zu Grab- 
malern, in welchen seine Verzweiflung sich ausspricht (N. 142). 
So wird ihm die Kunstübting, freivom Zwange des Erwerbes 
und unmittelbarer, notwendiger Ausdruck seiner Stimmung, 
Zuflucht und Erlösung: ihm gab ein Gott zu sagen, was 
er leidet. Wohl gerade diese Gabe sich auszusprechen, 
sich schaffend von den Stimmungen zu befreien, führt 
seinen menschlichen Entwickelungsgang aus dieser Zeit 
widerspruchsvollen jugenddranges zu einerinneren Läuterung 
und Klärung: er lernt die Stimmungen beherrschen statt 
ihnen willenlos zu folgen, und so gewinnt er die männliche 
Reife als Mensch und als Künstler. Die Kunst, die ihm 
erst Zuflucht und Trost war, wird ihm jetzt die weihevolle 
Sprache für sein seelisches Leben, die auch abgelöst von 
seiner persönlichen Existenz ihren Wert und ihre Bedeutung 
behält. Mit dieser inneren menschlichen und künstlerischen 
Läuterung beginnt die Zeit der großen Werke, die für sich 
selbst sprechen, und die dennoch auch für die Erkenntnis 
seiner menschlichen Entwickelung ihre tiefere Bedeutung 
behalten, zumal diejenigen, welche, ohne durch äußere Bestel- 
lung veranlaßt worden zu sein, als der unmittelbare Ausdruck 
der in ihm herrschenden Stimmung gelten dürfen. So 
kleinlich es wäre, überall Einzelbezüge und direkte Ein- 
Wirkungen der äußeren Lebensereignisse erkennen und 
aufsuchen zu wollen, so berechtigt sind wir doch, in der 
Reihenfolge dieser frei geschaffenen Werke ein persönlich 
bedeutsames Element zu finden und sie in dieser Reihenfolge 
als Offenbarung der den Fortgang seines inneren Lebens 
gestaltenden Empfindungen, als AUßCYUDgGH seiner jewei- 
ligen Lebensauffassung zu betrachten. Gehen wir mit diesem 
Gedanken an die Betrachtung seiner großen, nicht aufiiußere 
Veranlassung entstandenen Werke heran, so sehen wir einen 
merkwürdigen inneren Prozeß sich vollziehen.
        

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