Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Über Kunst, Künstler und Kunstwerke
Person:
Valentin, Veit
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1392977
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1395474
202 
von Scx-xwmn. 
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MORITZ 
wagen hereinfahrenden Sarastro und den Seinen jubelnd 
empfangen. Zur Linken stürzen die Königin der Nacht 
und der Mohr in die Finsternis, zur Rechten ziehen Pa- 
pageno und Papagena, durch ihre Kinderlein beglückt, davon. 
Neben diesem großen gewaltigen Kampfe der beiden Reiche 
des Lichtes und der Finsternis spielt sich das Schicksal 
der Personen ab, die mit hineingezogen worden sind. Hier 
hat die Dichtung den glücklichen, für Schwind so hoch 
xivillkommenen Umstand geboten, daß dies Schicksal zweier- 
lei Träger vorlindet: ein ernst empiindendes, gemütvoll 
angelegtes und ein humoristisch ausgestattetes, den niederen 
Weltfretiden ergebenes Liebespaar. Das Schicksal des 
ersteren findet seine Darstellung in fünf Rundbildern, die 
sich in den Lünetten über den zum Foyer führenden Thüren 
befinden, das des anderen Paares in den Gewölbezwickeln; 
dort herrscht der elegische, hier der humoristische Ton 
vor, so daß hier Schwind alle die Elemente fand, die er in 
hervorragender Weise beherrschte. Nehmen wir noch die 
Medaillons in den Gewölbekreuztingen, in welchen sich die 
beiden Prüfungselemente, Wasser und Feuer, und die beiden 
anderen zum Ausgleich bestimmten Gegensätze, der Über- 
fluß und das Gleichmaß, und als Abschluß der kleine 
Mozart auf dem Schoße der Kaiserin Maria Theresia be- 
finden, so entrollt sich vor uns ein wundervoller Reichtum 
der Schöpferkraft des Meisters: diese überströmende Fülle 
ist aber durch das künstlerische Gleichmaß der Kräfte in 
die heiteren Formen gebracht, welche der Stempel der 
vollendeten Beherrschung des Gegenstandes und der künst- 
lerischen Mittel sind. 
In dieser eigentümlichen Weise decken sich die von 
Schwind behandelten Gegenstände mit den seine Zeit be- 
wegenden Grundgedanken: dies Ware in solchem Grade 
nicht möglich gewesen, wenn nicht Schwind, der Mensch, 
in seinem eigenen Seelenleben verwandte Stimmungen 
gehabt hätte. Und in der That zeigen sich hier ähnliche 
Gegensätze. Gerade ein so hochfliegentl angelegter Geist 
wie es der seine war, tritt in das Leben mit hohen Er- 
wartungen. Er überträgt sein subjektives Empfinden und 
Hoffen auf die Gegenstände. Findet er sie erfüllt, so schwärmt
        

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