Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Über Kunst, Künstler und Kunstwerke
Person:
Valentin, Veit
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1392977
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1395443
MORITZ vrw SCHWIND. 199 
 
er sinnlich oder übersinnlich, durchaus fremd ist (vgl. oben 
S. 29 H). Schwind weiß jedoch eine körperliche Erscheinung 
zu finden, zu welcher die Natur in dieser besonderen Kraft 
und Thätigkeit aufblühen muß, wenn man eine Verkörpe- 
rung ihres Wesens in menschlicher Erscheinung zugiebt. Da 
führt durch dichten Wald ein einsamer Weg, der uns un- 
widerstehlich lockt ihm nachzugehen, und siehe da! an 
seinem Eingange steht eine Nymphe, im Begriff ihn zu be- 
treten, und neckisch wendet die mit dem Rücken nach uns 
stehende das Gesicht, um uns attfztifordern ihr zu folgen 
(N. 150). Einsam ragt das Horn der njttngfratitt aus den 
Bergen hervor: da geht die Spitze in das menschliche Bild 
der Unnahbaren über, die hoch über der anderen Welt 
thront  selbst der Adler blickt scheu zu ihr empor, die 
auch für seine Schwingen unerreichbar ist (N. 522). Der 
Morgen bricht an in den Alpen: da richtet sich eine kräftige 
Männergestalt auf und schaut gleich der Gemse neben ihr und 
auf das Wächterhorn sich stützend, der hervorbrechenden 
Sonne entgegen; zu des Mannes Füßen, im Schatten liegend, 
schmiegt sich schlummernd eine weibliche Gestalt: so ruht 
das von dem Strahl der Sonne noch nicht erweckte Thal- 
gefilde. Für den Mittag erscheint in latischiger Felseneinsam- 
keit auf stillem See halb aus dem Wasser auftauchend die 
Nixe, ihr langes Haar strahlend und im Wasserspiegel 
sich beschauend, von Fischen umspielt. Der Abend wird zu 
einer über der Niederung schwebenden Nebelgestalt, die 
müde nach dem aufgehenden Monde hinschaut, während ein 
Fuchs sich zu nächtlicher Jagd aufmacht. Die Nacht endlich 
erscheint als schirmende Mutter, welche die Kinder, Schlaf 
und Tod, vor dem hellen Lichte des Mondesmit erhobenem 
Mantel schützt und auf der Wolke stehend ihre Herrschaft 
über die Erde breitet (vgl. Abb. in dem Kataloge der Schwind- 
Ausstellung S. I. 3 I. 45). So verkörpern sich dem Künstler der 
Rhein, die Donau, die Elbe zu lebensvollen Gestalten (N. 527. 
5 26. 37), so tanzen die Elfen, so schweben die Feen, so schaffen 
die Gnomen  alle Naturkräfte gewinnen die ihnen ge- 
hörende Gestalt: noch ruht sie für unsere irdischen Augen 
in das gestaltlose Weben der Natur gebannt; aber das helle 
Auge des dichtenden Künstlers schaut sie erblüht und ge-
        

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