Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Über Kunst, Künstler und Kunstwerke
Person:
Valentin, Veit
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1392977
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1395439
198 MORITZ 
von Scnwxxn. 
 
Knabe mit den Datteln (N. 311), bei dem man zweifelhaft 
ist, ob man dem philiströsen Alten, der noch eine gewisse 
Berechtigung zu vernünftelndei" Klugheit hat, oder dem 
seinem Alter auch hierin voraneilenden überklugen Knaben 
die Palme reichen soll. 
S0 treffend und charakteristisch Werke dieser Art sind, 
so werden wir uns doch mit größerer Sympathie jenen 
anderen Darstellungen des alltäglichen Lebens zuwenden, 
in welchen uns eine sehnsüchtige, ahnungsvolle Stimmung 
berührt. Und mit wie einfachen Mitteln weiß der Meister 
sein Ziel zu erreichen! Da läßt er uns in der nMorgenstundea 
(N. 32) einen Blick in die Kammer eines jungen Mädchens 
thun: eben aufgestanden ist sie im weißen Röckchen an das 
geöffnete Fenster getreten und atmet den köstlichen Morgen 
duft. Am anderen Fenster ist der Laden noch geschlossen: 
aber durch eine Spalte dringt die helle Sonne herein und 
durchleuchtet auch die schattigen Teile des einfachen 
Zimmerchens. Und 0b wir das Mädchen auch nur vom 
Rücken sehen  wir fühlen wie sich ihr der Morgen und 
die schöne Welt so weit und reich öffnet und wie sie sich 
hinaussehnt: ist doch auch ihr eignes Leben noch ein licht- 
aufsteigender Morgen. Oder ndes Wanderers Raste (N.j28. 
847): an einem dunkel gehaltenen Bergvorsprung im Vorder- 
grunde ruht der Wanderer und schaut in die lichte Ferne, wo 
das Ziel seiner Wanderung noch recht weit erscheint. Oder 
ndie Waldkapellea (N. 524): da sitzt in sich versenkt ein 
Mädchen vor der Schwelle und in die Tiefe breitet sich der 
Wald aus, über den Weg geht ruhig ein Reh mit seinem 
Zicklein  über die ganze Natur ist der reine Gottesfriede 
gebreitet: wird ihn das Menschenlierz auch finden? 
Aber auch die ideale Seite des Lebens Endet ihren ge- 
sonderten Ausdruck. Da sehen wir das friedliche Treiben der 
Einsiedler (N. 531. 534. 849), welche Ruhe vor den Anfech- 
tungen der Welt gefunden haben und deren Dasein still be- 
friedigt dahingleitet. In reichster Weise zeigt uns aber der 
Künstler diese Seite in seinen Verkörperungen der Natur. Es 
wäre falsch, hierbei von Allegorien sprechen zu wollen. Eine 
solche giebt mit Bewußtsein eine Darstellung, deren körper- 
liche Erscheinung dem Gegenstande der Darstellung, sei
        

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