Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Über Kunst, Künstler und Kunstwerke
Person:
Valentin, Veit
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1392977
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1393456
UND 
TRACHT 
M002. 
 
erst Felle und Pelze, so treten allmählich Pllanzenstoife 
an ihre Stelle, bei sich ausdehnendem Verkehre bald auch 
Erzeugnisse fremder Länder. Stets aber wird das weniger 
Brauchbare dem Brauchbareren zu Liebe verlassen. 
Ist hiermit die Möglichkeit und selbst die Notwendig- 
keit des Wechsels von vorneherein gegeben, so tritt schon 
bald ein neues Moment hinzu, welches der Kleidung eine 
durchaus andere Richtung giebt: die symbolische Bedeutung, 
welche der Kleidung beigelegt wird. 
Es ist etwas dem Menschen durchaus Eigentümliches, 
daß er nichts erfassen, keinen Gegenstand berühren kann, 
ohne auf ihn eine Bedeutung zu übertragen, die diesem 
Gegenstande an und für sich nicht zukommt. Wie sollte 
diese schöpferische, recht eigentlich poetische Kraft des 
Menschen nicht auch bei der Kleidung hervortreten? Er 
ergreift einen Stock. Dieser wird ihm zur Waffe, sobald 
er Widerstand findet, er wird ihm zum Zeichen, zum 
Symbole seiner Kraft und der durch sie erworbenen Macht. 
Der Stock ist das Abzeichen des Herren, und wehe dem 
Sklaven, wenn er es wagen wollte, sich dieses Zeichens zu 
bedienen! Aber über dem einzelnen Herrn steht wieder 
ein Gesamtherr; auch ihn kennzeichnet der Stock in 
seiner Würde, und wie diese höher ist als die des ein- 
zelnen Herrn, so ist der Stock des Herrschers höher als 
der des Untergebenen: er wird zum Stabe, zum Szepter. 
Da führt der Hirt seine Heerde; er trägt als Waffe den 
großen Stock: der Priester soll der Hirte seiner Gemeinde 
sein, und der Bischof trägt den Hirtenstab als Symbol. 
So wird das Schwert das Symbol des Freien, und mit ihm 
die Waffe überhaupt. Zu den Schutzwalfen gehört die 
Bedeckung des Hauptes. Vor dem Höheren legt der Niedere 
seine Waffen weg, er entblößt, wenn er keine andere Waffe 
hat, wenigstens das Haupt  die Sitte, die sich noch heute 
im Hutabziehen als Zeichen der HöHichkeit erhalten hat. 
Frauen tragen keine Waffen; der Hut hat bei ihnen nicht 
die Bedeutung der Waffe, er braucht also nicht abgelegt 
zu werden  Frauen behalten beim Gruße, ja selbst in 
Theatern, Konzerten und Vorlesungen das Haupt bedeckt, 
xxtahrend die Männer es entblößen.
        

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