Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Über Kunst, Künstler und Kunstwerke
Person:
Valentin, Veit
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1392977
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1395406
Monrrz vox 
Scuwmn. 
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giebt. So schaift sich die Romantik durch die Phantasie, 
die von ihr als höchste Kraft gepriesene Seite des mensch- 
lichen Geistes, eine höhere Welt und schreibt ihr naiver 
Weise nicht nur überhaupt eine wirkliche Existenz zu: sie 
betrachtet sogar diese Existenz als die einzig wahre, welcher 
gegenüber die gewöhnlich als Wirklichkeit aufgefaßte Welt 
als eine nichtige erscheint. In der Kunst wird diese als 
die prosaische, nüchterne, banale behandelt, jene dagegen 
als die poetische, gemütvolle, erhabene gepriesen. Die 
irdische Existenz ist daher in zwei Richtungen möglich: 
sie istssehnsuchts- und ahnungslos und fühlt sich in ihrer 
Gewöhnlichkeit tinsäglich wohl, oder sie ist sehnsuchts- 
und ahnungsvoll und fühlt sich in ihrerSehnsuchtunglücklich. 
Derronaantische Dichter nun, welcher jener höheren Existenz 
die wahre Realität zuschreibt, schildert die sehnsuchtslose 
irdische Existenz als das Verweriiiche, die sehnsuchtsvolle 
als die einzig wertvolle. je nach seiner Stimmung wird 
er die sehnsuchtslose Existenz der sehnsuchtsvollen gegen- 
über als die einfach lacherliche preisgeben, oder sie als die 
verwerHiche, böse brandmarken. Seine Darstellung wird 
danach komisch oder tragisch werden, und in der tragischen 
Darstellung wird er die überlegene Ironie nicht unterdrücken 
können: die aus dem Widerspruch der beiden Existenzen 
sich ergebende Ironie ist daher von der Romantik geradezu 
als das Wesen der Tragödie aufgefaßt worden. Tritt bei 
dem Dichter statt des scharf richtenden und vernichtenden 
Verstandes das Gemüt in den Vordergrund, so äußert sich 
die Empfindung des Gegensatzes eines hohen, sehnsuchts- 
vollen Strebens und des Widerstrebens der kleinlichen 
irdischen Verhältnisse in dem Humore, der außer zum 
Lachen auch zu 'I'hriinen führen kann, aber nicht zu solchen, 
welche aus der VerzweiHung an einem Ausgleich hervor- 
brechen, sondern zu solchen, in welchen das sanfte Gemüt 
seine leidende, ergebungsvolle Wehmut ausströmen liißt. 
Auf diesem romantischen Boden schafft auch Schwind. 
Es ist jedoch von vorneherein zu beachten, daß, während 
bei Friedrich Schlegel, Tieck, Jean Paul das dichterische 
Können dem Wollen nicht entsprach und keiner von ihnen 
Werke geschaffen hat, bei welchen es einem geskund em- 
I;
        

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