Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Über Kunst, Künstler und Kunstwerke
Person:
Valentin, Veit
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1392977
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1395398
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Momrz VON 
SCHWNIND. 
welches seiner bereits fest gewonnenen Richtung entspricht: 
es ist dagegen nicht eine sein Wesen umgestaltende, ihn 
erst auf seine Richtung hinweisende Gegenwirkung, deren 
es bei ihm nicht bedurfte. Und dennoch ist sein kurzer 
Aufenthalt in Italien sicher nicht ohne Einfluß geblieben. 
Er mag jedoch statt in der Gewinnung einer bestimmten 
künstlerischen Richtung vielmehr in der Kräftigung seines 
künstlerischen, nach einer harmonisch in sich abgeschlosse- 
nen Form ringenden Gestaltungsvermögens zu suchen sein, 
wie eine ähnliche Wirkung wiederum bei Goethe sich 
zeigt. In seinem menschlichen Empfinden, in seiner Lebens- 
anschauung, in den inneren Kämpfen, die er durchzumachen 
hatte, blieb er was er war, der echte deutsche Mann, und 
zwar, dem herrschenden Charakter der Zeit entsprechend, 
der echte deutsche Romantiker. Wer sein künstlerisches 
Wesen erfassen will, muß von dieser Thatsache ausgehen. 
Die Romantik charakterisiert sich durch das Mißtrauen, 
welches der Mensch in seine eigne Kraft setzt, um zu dem 
ersehnten Ziele des inneren Friedens, des hartnonischen 
Ausgleichs der streitenden, von widerspruchsvollen Lebens- 
erfahrungen erzeugten Empfindungen zu gelangen, kraft 
dessen ein sicherer Lebensweg gewonnen und eine Festig- 
keit innerer Überzeugung erlangt wird, so daß kein von 
außen an den Menschen herantretendes Ereignis ihn aus 
dieser inneren Harmonie herausreißen kann. Dies Ziel aus 
eigener Kraft zu gewinnen, ist der charakteristische Zug der 
Klassik. Die Romantik, im Gegensatze zu ihr an der 
eigenen Kraft verzweifelnd, ersehnt die Beihilfe einer 
höheren, von außen her eingreifenden Macht, welche über 
die unbefriedigte irdische Existenz hinaushilft. Den NVeg 
zu dieser höheren Macht weist die Religion, aber sie thut 
dies nicht allein: die Kunst thut es desgleichen, denn sie 
ist nichts anderes als Religion: beide fließen in einem Strome 
zusammen, und die Romantik beklagt es, daß es für beide 
identische Begriffe nicht einen einzigen Ausdruck giebt. 
Wie die Religion diese höhere Kraft verkündigt, so soll 
die Kunst die der scheinbaren Wirklichkeit zu Grunde 
liegende tiefere wahre Wirklichkeit offenbaren, in welcher 
die mit göttlicher Kraft begabte geistige Welt sich kund
        

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