Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Über Kunst, Künstler und Kunstwerke
Person:
Valentin, Veit
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1392977
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1395336
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ADRIAN 
RICHTER. 
LUDWIG 
 
 
Ludwig Richter-Ausstellung des Freien Deutschen Hoch- 
stiftes zu Frankfurt am Main 1886) bezeichnen. Greis 
und Greisin, Eltern und Kinder, Hund und Rabe, Sing- 
vögel und Früchte an den Bäumen, und über allen der 
heitere Himmel, die klare Luft, das liebliche Licht  
ein köstlicher Zusammenklang aller Elemente der Natur 
und des Lebens! Noch tiefer erfaßt Richter aber die 
Natur, wenn er sie in ihrem geheimsten Schaffen belauscht 
das er in tiefster NVeise versteht. Einst sieht er eine gelbe 
johannisblume: es faßt ihn wie eine Vision. vWie ein 
lichter Blick in das Wesen, in den Geist der Blume; ihre 
Schönheit als Ausstrahlung einer höheren Welt geistiger 
Leiblichkeit empfundena (II, S. 157). So spricht er zu 
uns in dem Waldmärchen (Nr. 593). Da rauscht das 
Wasser: die Eichhörnchen, das Reh, die Vögel, die Blumen, 
alles freut sich und blüht am buschigen, versteckten 
Plätzchen im Walde. Mitten darin sitzt, wie die Verkör- 
perung der XValdnatur und ihres geheimnisvollen, keimendeti 
Lebens, ein blühendes Mädchen, noch halb Kind, und 
sinnend hinausschauend bricht sie die blaue Blume. 
Und dieser Einklang ruht auf tiefem Grunde. In Rom 
hat Richter außer den großen Meistern der Kunst einen 
engeren Freundeskreis gefunden, der auch aus Künstlern 
bestand, die ihn aber mehr auf einem anderen Gebiete als 
dem der Kunst förderten. Unxtergeßlich bleibt es ihm, 
wie in der Neujahrsnacht 1824 auf 1825 sich die Herzen 
in der gemeinsamen religiösen Überzeugung zusammen- 
fanden, wie ihm selbst hier das Wesen der Religiosität 
zum ersten Male sich ganz offenbarte und ihm zu einem un- 
verlierbaren Gute wurde. Im Verkehre mit diesen Freunden, 
den beiden Frankfurtern Hoff und Thomas, ferner May- 
dellf, Oehme und Peschel fand er den festen Glauben an 
das liebevolle Walten der Gottheit, der ihn seitdem beseligt 
1 Siehe Ludwig von Maydells Porträtzeichnuxlg von Carl Peschel 
S. 191. Näheres über Maydell in den nLebenserinnerungem S. 180. 
2169i. Maydell war es, welcher Richter bei seiner Abreise von Rom 
das letzte Geleit gab und ihn noch allein eine Strecke weit begleitete 
(S- m)-
        

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