Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Über Kunst, Künstler und Kunstwerke
Person:
Valentin, Veit
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1392977
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1393444
UND 
TRACHT 
M002. 
dieses Tier ist der Mensch. Nie hat der Hund, der doch 
ein so kluges Tier ist, einen Knochen zu anderem Zwecke 
erfaßt, als um ihn zu verzehren. Der Mensch aber auf 
der denkbar niedersten Stufe, auf einer Stufe, auf welcher 
er im eigentlichen Sinne des Wortes kaum drei oder aller- 
höchstens vier zahlen kann, also ein Australneger etwa, 
heftet sich den Knochen an, und wenn es auch nicht anders 
möglich wäre, als dadurch, daß er sich verwundete und der 
in die Wunde gelegte Knochen zur dauernden Zier seines 
Trägers mit dem Fleische verwüchse. Er thut dies aber, 
um sich selbstgefällig vor anderen seinesgleichen ans- 
gezeichnet zu fühlen. So wird sich nie ein Tier, und 
Wäre es das gescheiteste, eine Feder oder eine Blume in 
das Haar stecken, nie einen bunten Stein sich anheften. 
Man kann daher sagen, der Mensch, der zuerst eine Feder 
oder einen Stein sich anheftete, that damit kund, daß die 
schöpferische Natur in der Hervorbringung immer höherer 
Gattungen einen neuen Schritt gethan hatte, der gegen 
alle früheren Gattungen eine scharf gezeichnete Grenze ab- 
giebt. So ist der Schmuck, d. h. der Anfang aller Kleidung, 
die erste Äußerung der Menschwerdung, und die andauernde 
Fähigkeit seiner Verwendung giebt den Beweis, daß wir 
uns auf dieser Stufe mindestens erhalten haben. Den 
Schmuck aber verbannen wollen hieße den Menschen 
zum Tiere erniedrigen. Denn nur wer sich schmücken 
kann, ist Mensch. Hierin liegt die kulturgeschichtliche Be- 
deutung des Schmuckes für die Menschheit überhaupt. 
Es ist natürlich, daß sich die Art des Schmuckes bei dem 
noch tinkultivierten Menschen ganz nach seiner Umgebung 
richtete. War er Anwohner des Meeres, so lieferten Mu- 
scheln und Fischgräten seinen Schmuck, war er Jäger, so 
dienten ihm Federn und Knochen, Tierfelle und sonstige 
lilgdbeute dazu. Von einer eigentlichen Verarbeitung war 
hier noch gar nicht oder doch nur wenig die Rede. Daß 
nun aber aus dem Schmucke ein Schutz wurde, dies be- 
Wirkten bei der Ausbreitung der Menschen zunächst die 
klimatischen Verhältnisse. Und wie die Wahl des Schtnuckes, 
S0 hängt die Auswahl der schützenden Stoffe zuerst von 
der nächsten Umgebung des Menschen ab. Waren es zu-
        

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