Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Über Kunst, Künstler und Kunstwerke
Person:
Valentin, Veit
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1392977
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1395280
ADRIAN LUDWIG RICHTER. I8; 
Geschichtsbilde im engeren Sinne des Wortes der Fall ist. 
Wo es sich um große, das Dasein Einzelner und Vieler 
entscheidende Augenblicke handelt, wird immer der zeitlich 
und örtlich zu fixierende, auf größere Bekanntschaft und 
daher auch auf allgemeinere Teilnahme, allgemeines Ver- 
ständnis rechnende Vorgang seine Berechtigung haben und 
entsprechende allgemeinere Wirkung ausüben können. Allein 
das Menschenleben wird damit nicht ausgefüllt: außerhalb 
solcher für eine Gesamtheit entscheidender Augenblicke 
spielen sich im kleinen Leben der Einzelnen hunderte und 
tausende von Ereignissen ab, welche zunächst sinnlich nur 
diese einzelnen Menschen berühren, die aber in ihrer Wirkung 
weiter greifen, weil wir in der großen Mehrzahl uns dieser 
kleineren Existenz so enge verwandt, so nahe fühlen, daß 
das, was ihr geschieht, uns so tief ergreift als ob es uns 
selbst geschehen wäre. So gewinnt ein solches Einzelge- 
schehen eine symbolische Bedeutung, welche durch die 
Ort- und Zeitlosigkeit wesentlich gefördert wird. Diese 
Bedeutung ist eine geringere, wenn die Örtlichkeit für'den 
Beschauer lokalisiert wird, wie wenn durch Trachten eine 
bestimmte Gegend angedeutet wird, aber sie geht nicht 
verloren. Kommt noch die Andeutung der Zeit hinzu, 
so grenzt das Genrebild an das Geschichtsbild, wie in De- 
freggers nAtisztig des letzten Aufgebotesu: aber dennoch ist 
hier nicht gesagt, daß dieser Auszug nur in einem bestimm- 
ten Dorfe geschehen sei  im Gegenteil: so wie hier 
fand er vielfach statt. Käme eine geschichtlich bestimmbare 
Persönlichkeit dazu, wie in desselben Künstlers nAIJClTGZIS 
Hofera, so ist das erste Erfordernis des Geschichtsbildes 
vorhanden: dieser Vorgang kann sich nur zu ganz be- 
stimmter Zeit und an ganz bestimmtem Orte gerade so 
nur einmal vollziehen; die allgemeine Teilnahme wird nun 
von der eingreifenden Bedeutung des Einzelvorgangs für 
das allgemeine Geschick abhängen.  
Richter war nun schon im Verlaufe seiner Landschafts- 
malerei mehr und mehr zu der Überzeugung von der 
Wichtigkeit und der hohen Bedeutung der Figuren ge- 
kommen. So sagt er bereits 1825: nMein immervvriihrendes 
und vergebliches Bemühen, in der Landschaft meine besten
        

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