Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Über Kunst, Künstler und Kunstwerke
Person:
Valentin, Veit
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1392977
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1395272
184 ADRIAN LUDWIG RICHTER. 
 
gefühlt hatte, bat, als er dem Freunde eine neue Kompo- 
sition zeigte, die Figuren nganz besonders aufs Korn zu 
nehmen und zu korrigierena. Schnorr ließ sich eine Pause 
geben und brachtenach acht Tagen, wie Richter erzählt, 
neine getuschte Federzeichnung mit meinen Figuren, aber 
so köstlich ausgeführt, korrekt gezeichnet und mit einer 
Anmut in jeder Linie übergossen, daß ich mich überglücklich 
fühlte im Besitze eines solchen Schatzesrr (S. 238). Diese 
Anregung ging nicht verloren: Richter wendete nun seine 
ganze Sorgfalt auf das Studium der Anatomie und das 
Zeichnen von Figuren. Schon auf seinem nächsten in Dresden 
ausgeführten Bilde gelang ihm die Figurengrtippe sehr wohl. 
Dieser Fortschritt hängt aufs engste mit seiner Auffassung 
der Beziehungen der Menschen zu der Natur zusammen 
(siehe oben S. 180) und der Forderung, daß die Landschaft 
eben durch diese Beziehungen den Charakter einer nhisto- 
rischenrr gewinne. Doch war dieser Umstand innerhalb des 
hier geschilderten Prozesses nur ein Übergangspunkt. That- 
sächlich ging es nun nScln-itt vor Schritt weiter, bis die 
Figuren exidlich in den Zeichnungen für die Holzschnitte 
die Hauptsache wurden, die Landschaft aber bescheiden in 
den Hintergrund trata (S. 239). 
Aber auch bei diesem Prozesse folgte Richter seiner 
eignen Natur_ ohne sich durch das imponierende Wirken 
seiner großen Vorbilder irgendwie irre machen zu lassen. 
Wenn er so allmählich zur geschichtlichen Darstellung oder 
wie er es nannte zum Figurenzeichnen gelangte, so geschah 
dies lteineswegs in dem Sinne, in welchem Cornelius, 
Overbeck, Veit die Geschichtsmalerei verstanden. Weder 
weltliche noch religiöse Geschichte lieferte ihm seine 
Gegenstände, wenn er sich auch wohl gelegentlich in der 
letzteren versuchte. Sein großer Gegenstand ist das 
menschliche Thun und Treiben, wie es sich unabhängig 
von Ort und Zeit tagtäglich abspielt, also recht eigentlich 
das, was man das Genre nennt. Wo dieses in seiner vollen 
Kraft erscheint, da hat es nichts mit einem wirklichen 
Vorkommen in dem Sinne zu thun, daß der Beschauer 
sich dieses ausschließlich in einer bestimmten Zeit oder 
an bestimmten Orten denken müßte, wie es bei dem
        

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