Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Über Kunst, Künstler und Kunstwerke
Person:
Valentin, Veit
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1392977
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1395243
ADRIAN 
LUDWIG 
RICHTER. 
181 
 
ewigen Gesetze des Schönen und Wahren enthalten sind, 
deshalb durfte er sich auf die freieste Weise einer Nach- 
bildung der Natur überlassen, in ihre feinsten und charak- 
teristischen Einzelheiten eingehen, welche diesen Landschafts- 
bildern einen so großen Reiz von Naturwahrheit und idealer 
Kunstschönheit verleihena (a. O. S. 196i). Auf diesem 
Wege gelang es Richter allmählich, sich von dem aka- 
demischen Unwesen zu befreien und die in ihrer YVahrheit 
der Erscheinung im Einzelnen erfaßte Naturingroßgedachten 
Bildern festzuhalten, welche ein in sich abgeschlossenes 
Ganzes darstellen, welche einen einheitlichen Charakter in 
den Linien und in den Farben zeigen, wenn auch diese 
letztere Seite bei Richter wie bei seinen Strebensgenossen in 
der Ausführung stets die schwächere geblieben ist: in der 
Theorie erkannte er ihre Bedeutung sehr wohl und WLlßtC 
sie zu schätzen, ja er forschte eifrig nach dem Wege ndie 
besondre Wirkunga, welche jede Farbe auf das Gemüt 
hervorbringt, zu erkennen und zu benutzen (H, S. 33f.). 
Ebenso erschien ihm die Symbolik der Farben durchaus 
nicht als etwas nKünstliches oder spitzfindig Erdachtes; 
ein jeder Mensch fühlt sie trnwillkürlich. Zum Beispiel, 
daß das Braungold und Violett des Herbstes eine weh- 
mütige Stimmung, das Hellgoldige und sanft Blaue des 
Morgens eine süße, sanfte Heiterkeit hervorruft, empfindet 
ein jeder, der auch noch nicht über die wivunderbar ge- 
heime, aber tief ergreifende Musik der Farbentöne nach- 
gedacht hata (H, S. 84). S0 kann ihm die Landschaft eine 
Sprache werden, die sie selbst zu sprechen scheint, die aber 
thatsächlich ein Ausdruck für das ist, was ihn selbst bei 
ihrem Anblick erfüllt. nDie Bewegung, das Kommen und 
Gehen, Leben und Sterben der vielgestalteten Elemente, 
friedlich verbunden oder im Kampfa  das ist es, was er 
ndas Schöne im Naturlebena nennt und was er ausdrücken 
möchte (II, S. 17). Er weiß jetzt klar was er will: vMeine 
ehemalige Lust, mit allerhand Phantasien das Bild aus- 
zufüllen, dieser wilden Tochter allen Raum zu lassen und 
so oft ins Kleinliche, Tändelnde zu verfallen, habe ich 
aufgegeben. Ein Gedanke kräftig, tief,umfassend ausgedrückt, 
mit möglichst wenigen Mitteln, in großen Licht- und
        

Nutzerhinweis

Sehr geehrte Benutzer,

aufgrund der aktuellen Entwicklungen in der Webtechnologie, die im Goobi viewer verwendet wird, unterstützt die Software den von Ihnen verwendeten Browser nicht mehr.

Bitte benutzen Sie einen der folgenden Browser, um diese Seite korrekt darstellen zu können.

Vielen Dank für Ihr Verständnis.