Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Über Kunst, Künstler und Kunstwerke
Person:
Valentin, Veit
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1392977
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1395132
170 PHILIPP VEIT. 
diesen Vorschlag, so wie er gestellt ist, ohne weiteres ein- 
zugehena. So verblieb denn Veit bis zu seinem Ende 
(17. Dezember 1877) in Mainz, unablässig schaifend und 
selbst noch im Todeskampfe versuchend, der unaufhörlich 
arbeitenden Gestaltungsfrettdigkeit mit ruhelos tastender 
Hand Folge zu leisten. 
Höchst merkwürdig ist es, zu beobachten, wie Veit 
in seinen letzten Werken sich offenbar bemühte, der 
mehr und mehr zur Herrschaft gelangenden koloristischen 
Richtung gerecht zu werden, eine Wendung, die im 
großen und ganzen für ihn nicht glücklich war, und die 
zu einer wirklich vollendeten Schöpfung vielleicht nur in 
dem letzten Werke seiner Hand geführt hat, in dem 
vortreiilichen, der Familie gehörigen Selbstbildnis des 
Künstlers. Hier sind uns, wie in einem kostbaren Ver- 
mächtnis, jene bei allem hohen Ernste doch freundlich 
milden, sinnigen Züge bewahrt, die so rein eine schöne 
Seele wiederspiegelten. War es doch ihrem Träger ver- 
gönnt gewesen, sich frühe zu einer ihn beseligenden Ein- 
heit der Anschauung durchzuarbeiten, als deren Ausfluß 
uns seine Werke entgegentreten; und war es ihm doch 
durch eine reiche Bildung vergönnt gewesen, diese ein- 
lteitliche Anschauung vor Einseitigkeit zu bewahren, so 
daß er auch ihm fremde Richtungen zu schätzen, ja 
selbst zu fördern verstand, sofern sie nur seiner innersten 
Überzeugung nicht feindlich und der Arbeit seines Lebens 
Vernichtung drohend sich entgegenstellten. Gerade diese 
Eigenschaft aber mußte ihn in hohem Grade zum Lehrer 
befähigen, um den sich die Schüler begeistert scharren, 
weil sie sich durch seinen hohen Sinn erhoben, nicht aber 
in ihrer Eigenart beschränkt fühlten. Darum folgten sie 
ihm bei seinem Rücktritt ohne Schwanken getreu in seine 
Privatwerkstätte nach Sachsenhausen, bis sie allmählich selb- 
ständige Lebensstellungen einnahmen und die letzten von 
ihnen vor den Folgen der politischen Bewegung von seiner 
Seite Weichen mußten. Darum blieb er auch nach seinem 
Ausscheiden aus seiner amtlichen Stellung der ideale Mittel- 
punkt der Frankfurter Künstlerschaft, ja selbst nach seiner 
Übersiedelung nach Mainz war er der Patriarch, in dessen
        

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