Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Über Kunst, Künstler und Kunstwerke
Person:
Valentin, Veit
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1392977
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1395080
VEIT. 
PHILIPP 
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bei der Komposition aber aus der schöpferischen Phantasie 
heraus frei gestalteten. S0 erhielten ihre Schöpfungen 
jenen idealen Charakter, der von der Realität nur eben das 
nicht zu Entbehrende entlehnte, sonst aber eine Allgemein- 
giltigkeit der Formen erstrebte, die ein Abbild der ihrer 
Absicht nach zur Darstellung bestimmten allgemeinen 
Wahrheit sein sollte. NVährend also der künstlerische 
Genius zu Gestaltungen voll packender Realität verloclcte, 
trieb die religiöse Grundstimmung zu weltflüchtiger 
Idealität  ein Widerspruch, von welchem die Schule sich 
nicht zu befreien vermochte, der aber verstehen läßt, wie 
das Publikum sich beifällig dem vierten im Bunde und 
der von ihm angebahnten Richtung zuwenden konnte. Es 
war nämlich eine eigentümliche Fügung, daß mit jenen 
dreien an den Bartholdy-Fresken als vierter Wilhelm 
Schadow arbeitete, der seiner innersten Richtung nach, 
wohl hauptsächlich aus Mangel an freigestaltendei" Phanta- 
sie, gerade im Gegensatz zu seinen Genossen, vom Modelle 
ausging und, wenn er es auch zu idealisieren suchte, doch 
im wesentlichen an ihm haften blieb, so daß in seinen 
Schöpfungen die durch die Gesamtrichtting verlangte ideale 
Hülle sich wie ein schlecht passendes Kleid um die mit 
kleinlicher Treue der Wirklichkeit nachgebildeten Körper 
legt, wovon sein großes Bild nDie klugen und die thö- 
richten jungfrauena im Stiidefschen Institut eine nur all- 
zudeutliche Probe giebt. Aber immerhin war doch hier 
eine greifbare Lebenswahrheit, noch befördert durch die 
von Schadow, im Gegensatz zu der von Cornelius und 
auch Veit bevorzugten Freskomalerei, mit Vorliebe ange- 
wendete Öltechnik, welche zu einem realistischen Ein- 
gehen auf das nebensächliche Detail verlockte, während 
jene anderen Künstler, gerade um den großen historischen 
Ton zu bewahren, sich hiervon geHissentlich ferne hielten. 
Und in dieser Richtung trat nun mit frischer Kraft und 
bedeutendem koloristischena Talente, sowie scharfem Blicke, 
auf die realistische Seite Karl Friedrich Lessing. Während 
Schadow in der Gesamtauffassuxig mit seinen früheren 
Genossen in Übereinstimmung blieb, wandte sich Lessing 
der weltlichen Geschichtsmalerei zu. Dies würde ihn nun
        

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