Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Über Kunst, Künstler und Kunstwerke
Person:
Valentin, Veit
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1392977
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1395067
PHILIPP VEIT. I 6 3 
 
zu bemühen. Und zu dem lehrenden Mönche kommen 
die Kinder des neuen Geschlechtes, während durchs Ge- 
filde die Ritter ziehen, in der Ferne aber die blühende 
Stadt an belebtem Strome sich erhebt und die Heimstätte 
des Bürgers und der durch ihn neu keimenden Kultur 
zeigt, ein kräftiger Gegensatz zu dem Walde, in welchen 
die von der Religion sich abwendenden Germanen flüchten. 
Die Seitenbilder zeigen die ltalia und die Germania, 
Gestalten, welche trotz aller Schönheit vielleicht am deut- 
lichsten jenen Hauch der Schwermut, jene gedämpfte 
Stimmung empfinden lassen, welche die natürliche Folge 
der unter das feste Joch der Kirche gebannten, nicht zu 
freier Entwickelung gelangenden Individualität ist. Diese 
gedämpfte Stimmung zeigt sich nicht minder charakteris- 
tisch in den Deckenbildern, welche die zur Aufstellung der 
Antiken bestimmten Säle autsschmücken sollten. Die Mitte 
der Decke zeigt den Schild des Achilles  das StädePsche 
Institut besitzt die mit Gold gehöhte Zeichnung  ringsum 
sind vier Szenen der griechischen Sagengeschichte behandelt, 
in welchen höchst merkwürdig ein feines Verständnis für 
die Antike hervortritt ohne jedoch überall gleichmäßig zu 
vollem Durchbruch kommen zu "können: so hat auf dem 
Bild der Penelope diese selbst antiken Charakter, ihre 
Dienerinnen aber sind christlich-fromme Mädchen in grie- 
chischer Gewandung. 
Diese schöne Wirksamkeit sollte leider nicht allzulange 
dauern. Sie fand im jahre 1843 einen jähen Abschluß, indem 
Veit sein Amt niederlegte. Nach außen hin trat als Grund 
der von der Administration eigenmächtig vollzogene Ankauf 
des Lessing'schen Bildes vHuß vor dem Konzilea hervor: 
Veit habe ihn nicht mitseinen konfessionellen Überzeu- 
gungen vereinbaren können. Uns scheint, daß Veit ein 
viel zu bedeutender, bei seiner vielseitigen Bildung ein viel 
zu toleranter Charakter gewesen ist, als daß er eine 
öffentliche Galerie als Sammelort für Kunsterzeugnisse 
des katholischen Christentums angesehen hätte, als daß 
er ein auf dem Boden des protestantischen Christentums 
erwachsenes Bild blos um dieses Umstandes willen hätte 
ausschließen können. Die Gründe liegen tiefer. Pas Bild 
II
        

Nutzerhinweis

Sehr geehrte Benutzer,

aufgrund der aktuellen Entwicklungen in der Webtechnologie, die im Goobi viewer verwendet wird, unterstützt die Software den von Ihnen verwendeten Browser nicht mehr.

Bitte benutzen Sie einen der folgenden Browser, um diese Seite korrekt darstellen zu können.

Vielen Dank für Ihr Verständnis.