Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Über Kunst, Künstler und Kunstwerke
Person:
Valentin, Veit
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1392977
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1395050
162 PHILIPP Van". 
nBeiden Mariene, der nDarbringting im Tempelu einen 
stimmungsvollen und gemütstiefen, in dem Freskobild aber, 
welches er (1837) für das Stadelische Institut geschaffen 
hat, einen großen Ausdruck fand. Es möchte dieses Werk, 
ndie Einführung der Künste durch die Religion in Deutsch- 
landu darstellend, jetzt von der Wand abgenommen, auf 
Leinwand übertragen und ins neue Gebäude übergeführt, 
wohl eines der hervorragendsten sein, welches die religiöse 
Richtung der Malerei dieser Zeit überhaupt geschaffen hat. 
jedenfalls tritt an ihm die das Bedeutende in großen Zügen 
erfassende Eigenart des Geschichtsbildes, wie es der 
künstlerischen Anschauungsweise Veits entsprach, am ent- 
schiedensten hervor. Man kann dieses Urteil fallen, auch 
wenn man der in dem Bilde herrschenden historischen 
Überzeugung nicht beistimmt. Der Geschichtsmaler ist 
eben nicht Illustrator, er ist freischaffender Künstler, er ist 
Dichter. Und ein mächtiges Gedicht ist dieses Werk, 
Welches den sich der Bildkunst am liebsten entziehenden 
abstrakten Gedanken kühn festhält und ihm eine Verkörpe- 
rung leiht, daß die Gedankenmalerei dem Eindrücke der 
lebendigsten Realität in monumentaler Großartigkeit 
weichen muß. Von der umgestürzten Eiche, neben welcher 
der neue Quell emporsprudelt und auf die Bonifatius den 
Fuß setzt, weichen die Germanen scheu zurück, und nur 
die lenksamere Jugend lauscht dem Worte und folgt dem 
Hinweise des nApostels der Deutschem auf die himmlisch 
reine Gestalt der Religion: sie bringt die Palme des 
Friedens, der dem Evangelium entquillt, welches ein vor 
ihr stehender Engel trägt und auf welches sie hindeutet. 
Und während einerseits der greise Sänger mit zerrissener 
Harfe den vertriebenen Göttern nachsinnt und der germani- 
sche Gesang verstummt, vereinigen sich andererseits in 
schöner Gruppe die drei mächtigen Stützen der Religion 
im Mittelalter, die Musik mit dem Sänger und dem Ritter, 
welche die Lücke zu ersetzen und ihrer Mutter, der Kirche, 
zu helfen bestimmt sind. Im Hintergründe erhebt sich 
der großartige Kirchenbau mit dem Anfange des sehn- 
süchtig gen Himmel strebenden Turmes, vor ihm die drei 
Schwesterkünste, bereit zum Ruhme Gottes vereint sich
        

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