Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Über Kunst, Künstler und Kunstwerke
Person:
Valentin, Veit
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1392977
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1395000
PHILIPP V EIT. 
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In diesen Kreis trat 1815 Philipp Veit ein. Es geschah 
in guter Stunde: ein lange gehegter Wunsch sollte den 
jungen Künstlern in Erfüllung gehen. Je mehr sie sich 
der älteren Malerei und zwar immer entschiedener den 
italienischen Meistern des I5. Jahrhunderts zuwandten, um 
so schärfer mußten sie die Aufgabe der Malerei als die einer 
monumentalen Kunst erfassen, um so mehr mußten sie 
wünschen, Werke in innigem tinlösbarem Zusammenhang 
mit der Umgebung zu schaffen, da nur so das Gemälde 
in seiner vollen Bedeutung aus dem Rahmen, für den es 
geschaffen, hervortreten könnte. Ein glückliches Geschick 
verschaffte ihnen die Gelegenheit, ihre Kraft auf diesem 
Gebiete zu erproben und zu bewähren. Der preußische 
Generalkonsul Bartholdy hat sich das Verdienst erworben, 
den jungen Künstlern unter der Führung von Cornelius die 
Gelegenheit zu geben ihre Kräfte zu messen. Obgleich 
er nur zur Miete wohnte, ließ er doch eines seiner Zimmer 
in der Casa Zuccari mit Fresken ausmaleni (Vgl. meine 
Darstellung in Dohmes, vKunst und Künstler des neun- 
zehnten Jahrhtindertsa B. I. Stück 7, S. 43.) Nun entstand 
ein reges Leben bei den Klosterbrüdern. Ein alter Maurer 
wurde aufgespürt, der zuletzt unter Raifael Mengs den 
Wandbewtirf für Freskomalerei hergestellt hatte; Eggers 
machte eifrig chemische Untersuchungen, um die vergessene 
Technik wieder zu entdecken, und Veit soll es gewesen 
sein, der zuerst einen Porträtkopf alfresco malte, während 
die Gefährten erstaunt und freudig zusahen. Nun ward 
die Arbeit verteilt: Cornelius, Overbeck, Schadow und Veit 
waren die Erlesenen. Die Aufgabe war die Darstellung 
des Lebens Josephs. Unserem Veit fiel die Szene der Ver- 
suchung Josephs durch Potiphars Weib und die Darstellung 
der sieben fetten Jahre zu (Abb. S. I 59). Von dieserletzteren be- 
findet sich derKarton im StiidePschen Institut, ebenso mehrere 
Handzeichnungen, welche uns einen Einblick in die uner- 
' Diese Fresken sind in neuester Zeit von der Nationalgalerie in 
Berlin käuflich erworben worden. Von den Wänden abgelöst, befinden 
sie sich jetzt in Berlin: so ist nun dieses erste Hauptwerk der neuen 
deutschen Malerei in der Hauptstadt des neuen deutschen Reiches.
        

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