Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Über Kunst, Künstler und Kunstwerke
Person:
Valentin, Veit
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1392977
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1394955
1 52 PHILIPP V EIT. 
 
daran, ihm die Farben zu reiben, bis ihn endlich Johatnnes 
fragte: MVillst Du etwa auch Maler werden Pa Mit freudiger 
Stimme erwiderte Philipp:  Vereint mit seinem Bruder 
bezog er 1808 die Dresdener Akademie und studierte dort 
besonders unter des nernsten strengem Matthiii Leitung, 
dessen künstlerische Richtung seiner innigen religiösen 
Stimmung besonders zusagte, wie sie durch die eigentüm- 
lichen Verhältnisse, die auf seine Erziehung einwirkten, frühe 
geweckt worden war. In dem Alter nämlich, in welchem 
er mehr und mehr zum Denken erwachte, ward er durch 
seine Eltern, schon seit 1806 (a. O. I. S. 170; 222; 226), in 
die katholische Anschauungsweise eingeführt, welche bei 
ihm so natürlich entsteht und sich entwickelt, daß, als er 
sich am Tage vor Pfingsten 18m, am 9. Juni, in Wien taufen 
und in die katholische Kirche aufnehmen ließ, dies nur 
als die selbstverständliche äußere Erfüllung der in seinem 
Inneren längst vorhandenen Überzeugung erscheinen muß. 
Philipp Veit ist daher eigentlich nur dem Namen nach Kon- 
vertit: der Sache nach hat er das Glück gehabt, von Jugend 
auf eine einheitliche religiöse Überzeugung zu besitzen. 
Dieser Punkt ist für seine Beurteilung von Wichtigkeit; 
denn durch diesen Umstand blieb er vor dem Fanatismus 
des Konvertiten bewahrt und bewies stets die freie, auch 
eine andere Richtung gelten lassende und deshalb nicht 
zur Einseitigkeit führende Überzeugung des Mannes, der 
vor der Qual des Zwiespaltes bewahrt geblieben ist und 
daher sich nicht verpflichtet fühlt, das in hartem Kampf 
Errungene kampfgerüstet zu behaupten. 
Nachdem Philipp zunächst wieder nach Dresden zurück- 
gekehrt war, sagte er sich bald von Matthäis Leitung, die 
ihn allmählich nicht mehr befrietligte, los, kam im Juni 
1811 nach NVien und lebte einige Jahre im Hause seiner 
Mutter Dorothea und des Stiefvaters Friedrich Schlegel, 
welche durch ihr reges geistiges Leben auf den durch 
klassische Studien wohl vorgebildeten, durch einen leben- 
digen Geist hervorragenden jungen Künstler höchst fördernd 
einwirkten. Sicheren Schrittes geht er jetzt seinen neigenen 
Wege und folgt auch nicht den dringenden Einladungen 
seines älteren Bruders zu ihm nach Rom zu kommen. Er
        

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