Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Über Kunst, Künstler und Kunstwerke
Person:
Valentin, Veit
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1392977
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1394915
148 PHILIPP Van". 
 
sonnene, maßlmltende, nur klare Empfindungen duldende 
Strenge der klassischen Kunst keine genügende Ausdrucks- 
weise zu bieten schien. Aber freilich mußte sich diese neue 
Reaktion in einer ganz anderen Richtung bewegen, als jene 
im Anfange des sechzehnten Jahrhunderts. Während sie 
damals, der Hauptströmting des noch keineswegs ver- 
flossenen Mittelalters folgend, ein durchaus religiöses Ge- 
präge trug, blieb ihr diesmal, dem Charakter ihrer eigenen 
Zeit gemäß, die künstlerische Richtung eigentümlich, so 
sehr sie sich auch bemühte, als eine religiöse Reaktion 
gelten zu wollen. Suchte die überqtiellende Empfindungs- 
seligkeit, das mystische Dämmern traumerischer Gemüts- 
stimmungen nach Trägern ihres Ausdrucks, so boten sich 
dafür als fügsame, der individuellen Willkür leicht anzu- 
schtniegende, Gestalten die aus dem Grau der Vorzeit 
herüberschimmernden Helden der Sage und der Märchen- 
welt und mußten um so freudiger willkommen geheißen 
werden, als sie, dem jammervollen politischen Zustande 
Deutschlands gegenüber, gleichsam die sichere Gewähr der 
unverlierbar-eh. und jetzt nur schlunnnernden Heldenkraft 
der Deutschen darboten. Hatte doch schon Herder die 
Blicke auf die im eigenen Volke und seinen Liedern ge- 
borgenen Schätze hingelenkt und war es doch Goethe selbst 
gewesen, der wieder das Verständnis der damals recht 
eigentlich als deutsch betrachteten Baukunst des vierzehnten 
Jahrhunderts geweckt hatte! Aber rasch trat eine verhängnis- 
volle NVendung ein. Man erkannte den engen Zusammen- 
hang, in welchem Dichtung und Bildkunst des Mittelalters 
mit der Religion standen, und indem man die gegenteiligen 
Strömungen übersah, zog man aus dem Umstande, daß 
auf dem Boden der Religion eine großartige Kunst auf- 
geblüht war, den Schluss, daß eine neue Blüte der Kunst 
wiederum nur auf dem Boden der Religion gedeihen könne. 
Man kam daher zu der Überzeugung, Religion und Kunst 
seien thatsachlich ein und dasselbe, die Kunst sei nur eine 
besondere Attsdrucltsweise der Religion und könne nur 
als solche Wert und Bedeutung haben. Einen begeisterten 
Ausdruck fanden zu Ende der neunziger Jah1'e diese Ge- 
danken in den nl-lerzensergießungen eines kunstliebenden
        

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