Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Über Kunst, Künstler und Kunstwerke
Person:
Valentin, Veit
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1392977
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1394866
EINE 
FRANKFURTER KUNSTAKADEMXE IM xvm. JAHRHUNDERT. 
Iiä 
klar erfaßt hat wie es hier geschieht, dessen nunschuldsvolles 
Altera ist ein schlechter Bürge seiner nAtifrichtigkeittt. Es 
heißt nämlich: nSie, Gönnerinnen aus dem schönen Ge- 
schlechte, nehmen Sie unsern lebhaftesten Dank an. Unser 
tinschuldsvolles Alter ist Ihnen Bürge für dessen Aufrichtig- 
keit. Wir sind keine von jenen Schmeichlern, die Ihr Ohr be- 
rauben und Sie durch selbst nicht geglaubte Lobsprüche 
tauschen. Nehmen Sie den Dank von der Kunst selbst, der Sie 
sich widmen und die Sie durch Ihre Bemühungen veredeln. 
Unter den Händen der Grazien entstehen die reizenden Bilder, 
die treuen Nachahmungen der Natur. Ihr Geschlecht hat 
mehr Empi-indsamlaeit, aber auch einen scharfsichtigeren Blick 
vom Schöpfer erhalten. Wir wetteifern mit Ihnen: aber 
Ihr Sieg soll uns nicht kranken. Willig wollen wir den 
erfochtenen Lorbeer in Ihre Hände abgeben, wenn Sie uns 
übertroffen haben. Glückliche Kunst, die du uns mit diesen 
reizenden Mitschülerinnen in einige Verbindung setzest, edle 
Kunst, laß uns immer dieserVerbindting würdig seynl Sie 
aber, verdienstvolle Schönen, die Sie bisher gegen die Kunst 
gleichgültig gewesen sind [nverdienstvolla und ngleich- 
gültigal], lassen Sie sich durch das Beispiel Ihrer Freun- 
dinnen zur Nachfolge aufmuntern. Die äußere Bildung 
eines Frauenzimmers macht Sie nur schön, aber Wissen- 
schaften und Kenntnisse machen Sie liebenswürdig. Eine 
Angelica Kaufmann, eine Rahel Ruysch hat ihren Namen 
mehr verewigt als manche Fürstin, deren Namen im 
modernden Hoikzilendei" vom Würmern zernagt wirde. 
Nach diesem zahmen Anklang an Schubarts nFiirstengrufta 
bedarf es nur noch eines effektvollen Schlusses. Nach 
dem Dank an alle Beteiligte wird er im Appell an die 
Tugend und Religion gefunden: nNie entschleiche der 
Hand eines Scholaren dieser Akademie ein Bild, durch 
welches Religion und Tugend entweiht wütdelu 
S0 gewährt diese Feier einen interessanten Blick in die 
Gedanken und die Richtung einer Kunstakademie des vorigen 
Jahrhunderts: sie ist auf dem Gebiete der Kunstgeschichte 
ein Bild aus der Vergangenheit, welches den Vorzug der 
individuellen Treue neben der allgemeingültigen Wahrheit des 
den Charakter der Zeit zusammenfassenden Urteils darbietet.
        

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