Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Über Kunst, Künstler und Kunstwerke
Person:
Valentin, Veit
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1392977
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1394857
.142 EINE FRANKFURTER KUNSTAKADEIKIIE IM xvm. 
IAHRHUNDERT. 
der Adlersfittiche fühlt, der bleibe eine kriechende 
Schnecke: wen edle Ruhmbegierde nicht reizt, ist ein 
plumper Klotz und zu unserer Akademie weiter nicht 
dienlich als nur wie eine lebendige Statue vor uns zum 
Muster zu stehen; denn uns nützt an ihm weiter nichts 
als der Körper.  Er ist Maschinect. Die Schüler müssen 
num der Natur getreu zu bleibenu sich mit verschiedenen 
Wissenschaften bekannt machen, ja ndie Natur muß über- 
haupt ihre Schätze vor uns aufschließen wenn wir sie ge- 
treu schildern sollena. Geschichte, Erdkunde, Altertümer 
müssen studiert werden. Aber nwir müssen die Welt nicht 
in unserem Zeichenstübchen allein sehen; unser gesittetes 
Betragen, unser unschuldvoller tugendhaftei- Lebenswandel 
wird uns den Umgang mit Leuten verschaffen, die mehr 
sind als wir; diese werden uns zu noch grössern führen, 
und da werden wir würdige Scenen des Lebens sehen, die 
denjenigen verborgen waren, deren Schilderungen sich nur 
auf die Bilder betrunkener Bauern einschränkten. In der 
niedrigen Classe des Pöbels werden wir nie einen Helden 
des Alterthtims, einen Conde zur Zeit der Ligue zeichnen 
lernen. Sind wir einmal in unsern erlernten Grundsätzen 
vest, dann ist es Zeit, den Ursprung, die Quellen, die 
Mischung der Farben näher kennen zu lernen, der Natur 
die Vortheile abzulauschen und nicht jedes Gewand nach 
dem Erdstücke zu kleiden, das uns der Materialist auf Treue 
und Glauben verkaufte. Falsche Idealität und Befestigung 
der Grundsätze und der Regeln vor dem Herantreten an 
die Natur sind aber die beiden Hauptlehren der Akademien 
jener Zeit und zugleich die Quellen der aus ihnen hervor- 
gehenden Plattheit und Manieriertheit der Künstler und ihrer 
Werke. Das gleichfalls zum Charakter jener Zeit gehörende 
Kokettieren mit der nTugenda schlechtweg, nicht etwa 
dieser oder jener bestimmten, sondern der nTugenda, 
welche das Ergebnis der höchsten Sittlichkeit, des reinsten 
Strebens sein müßte, wenn sie einen klaren Begriff repräsen- 
tierte, spielt eine große Rolle. In seiner ganzen Unwahr- 
heit tritt es in der Anrede des Scholaren an die Mitschüle- 
rinnen hervor: der wirklich Tugendhafte, der wahrhaft 
Unschuldvolle ist es in naiver Weise: wer den Gegensatz so
        

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