Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Über Kunst, Künstler und Kunstwerke
Person:
Valentin, Veit
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1392977
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1394687
DIE TRAGIK 1x WERKEN HELLENISCHER PLASTIK. I2; 
haben durch ausschliessliche Anwendung dieses Mittels 
ihren höchsten Zweck verfehlt. 
Setzt man sich über diesen Mangel hinweg, sowie über 
den anderen, die Ausführung betreHenden, die Aufstellung 
der drei Personen in einer Reihe, so eröffnen sich in dieser 
Gruppe, nach Burckhardts treffenden] Ausdruck, nAbgründe 
künstlerischer Weisheitrt. Hier sei nur auf die Mitte] 
hingewiesen, durch welche die Künstler die Konzentration 
des Hauptinteresses auf den Vater erreichen. Nicht nur 
durch sein körperliches Hervorragen wird er als die Haupt- 
person bezeichnet, sondern die Schrecklichkeit des Leidens, 
die in ihm ihren höchsten Ausdruck findet, ist es, welche 
ihn als das Zentrum der Komposition aufweist. Ein 
Augenblick vor der Lage, in welcher er sich befindet, und 
der Schmerz droht nur, ist aber noch nicht thatsächlich 
eingetreten; ein Augenblick nach dieser Lage, und der 
Schmerz verschwindet in dem erlösenden Tode. je entschie- 
dener diese beiden Momente neben ihm zum Ausdrucke 
gelangen, um so tiefer ist bei ihm selbst die Empfindung des 
höchsten Schmerzes, der eben eintritt, der schon über das 
drohende Kommen hinaus, aber noch nicht zur Erlösung 
gelangt ist. So bilden diese beiden Momente vor- und nachher 
die Basis, auf welcher sich der eigentliche Gegenstand der 
Darstellung in seiner ganzen rücksichtslosen Furchtbarkeit 
zeigen kann. Die Empfindung von der Unentrinnbarkeit 
des Geschickes haben die Künstler durch einen kleinen, 
aber vortrefflichen Zug zu erhöhen verstanden. Der einzige 
matte Versuch der Abwehr, welchen Laokoon macht, besteht 
darin, daß er mit der linken Hand nach der den Rachen 
zum Bisse öffnenden Schlange greift. Nur wenn er sie 
unmittelbar am Kopfe ergriffe, bliebe die Möglichkeit, sie 
zurückzureißen. Die Künstler aberlassen ihn die Schlange 
soweit hinter dem Kopfe fassen, daß zwischen Hand und 
Kopf eine Windung bleibt, durch deren Ausstreckung die 
Schlange auch dann den Körper erreichen würde, wenn 
es Laokoon gelange, die ergriffene Stelle so weit vom Körper 
zu entfernen als der gestreckte Arm reichen könnte. Und 
ebensowenig vermag das bereits zur äußersten Grenze der 
Möglichkeit gelangte Ausweichen des Körpers selbst den
        

Nutzerhinweis

Sehr geehrte Benutzer,

aufgrund der aktuellen Entwicklungen in der Webtechnologie, die im Goobi viewer verwendet wird, unterstützt die Software den von Ihnen verwendeten Browser nicht mehr.

Bitte benutzen Sie einen der folgenden Browser, um diese Seite korrekt darstellen zu können.

Vielen Dank für Ihr Verständnis.