Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Über Kunst, Künstler und Kunstwerke
Person:
Valentin, Veit
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1392977
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1394643
DIE TRAGIK 
YVERKEN 
HELLENISCHER 
PLASTIK. 
I2I 
erscheint, aber unfehlbar eintritt. Von einem seelischen 
Leiden ist nichts zu sehen; jeder ist ganz und ausschließlich 
bei der Sache: für einen seelischen Reflex bleibt Weder 
Zeit noch Raum. Selbst Wo eine Möglichkeit hierzu ge- 
geben gewesen wäre, wie in dem zuschauenden Hirten oder 
Berggott, läßt sich nichts von Aufregung oder besonderer 
Teilnahme erkennen. Eine zweite Möglichkeit lag in dem 
Ausdrucke der Antiope: allein ihr Kopf ist ergänzt. Er 
wird indessen, der sonstigen ruhigen Haltung des Körpers 
entsprechend, kaum etwas Anderes als Befriedigung über 
die Rache ausgesprochen haben. 
Auch die Laokoongruppe stellt eine Strafvollstreckung 
dar; ja sie geht noch weiter als die Farnesische Gruppe. 
Während diese, wenn auch freilich im letzten Augenblick 
vor der Vollstreckung, doch nur die Vorbereitung giebt, zeigt 
jene die Ausführung des Urteils selbst. MELClICH hiermit 
die Künstler einen Weiteren Schritt in dem Realismus der 
Darstellung, so tritt andterseits durch die Wahl des Gegen- 
standes der wichtige, das Gräßliche mildernde Umstand 
ein, daß die Urteilsvollstrecker Sendboten der Gottheit 
sind und somit nicht nur ein Akt menschlicher Rachsucht 
vorliegt. Immerhin aber wird uns das Gräßliche nicht 
erspart; unser Mitleid wird aufs entschiedenste in Anspruch 
genommen, aber nur durch körperliches Leiden, welches sich 
vor unseren Augen vollzieht. Wir sehen den jüngeren Sohn 
sterbend zusammenlanicken, den Vater im Verzweifiungs- 
schmerze sich winden und doch der Unentrinnbarkeit 
des Schicksals kläglich unterliegen, den älteren Sohn nur 
erst von den Windungen des Schlangenleibes erfasst, aber 
dennoch dem Tode verfallen: sind doch die Schlangen 
Werkzeuge der Gottheit, denen kein Opfer entrinnen kann 
noch darf. Gerade dieser beim Anblick der äußeren Lage 
zunächst auftauchende Gedanke an die Möglichkeit einer 
Rettung des einen Sohnes, der alsbald durch die Überlegung 
zurückgedrängt wird, daß der göttlichen Strafe gegenüber 
ein Entrinnen nicht möglich ist, giebt der Gruppe einen von 
den Künstlern wohlbedachten neuen Reiz, indem hierdurch 
die Möglichkeit der Situationen erschöpft, die Phantasie 
des Beschauers aber zugleich aufs neue zur NVeiterdichtung
        

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