Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Über Kunst, Künstler und Kunstwerke
Person:
Valentin, Veit
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1392977
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1394613
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D12 
TRAGIK 
WERKEN 
HELLENISCHER 
PLASTIK. 
nach äußerlichem, gröberem Effekte entsprechend, welcher 
den abwärts gehenden Geschmacksepochen eigentümlich 
ist: die abgestumpften Nerven müssen durch gröbere oder 
pikantere Kost gereizt werden, die feineren Mittel werden 
nicht mehr empfunden. Wenigstens lassen die uns über- 
lieferten Gruppen diesen Fortgang deutlich genug erkennen. 
Es sind der Farnesische Stier in Neapel, dessen Künstler 
aus Tralles stammen sollen, und die LZIOKOODgTUPPG im 
Belvcdere des Vatikan, welche auf Rhodos entstanden ist; 
beide stehen den pergamenischen Werken in ihrer Ent- 
stehungszeit nahe. In beiden Werken haben die Künstler 
sicherlich tragische Wirkung bezweckt: in beiden Werken 
haben sie ihren Zweck nicht erreicht. 
Die Farnesische Gruppe stellt uns den Augenblick einer 
Strafvollstreckting dar. Hier liegt in der That eine Schuld 
vor. Die Königin Dirke hat sich der von ihrem Gemahle 
als Sklavin ins Haus gebrachten Antiope gegenüber hart 
und grausam gezeigt, so daß die Verzweifelnde endlich 
flieht. Sie findet auf dem Kithäron bei Hirten Aufnahme, 
wird aber von der in bacchischer Lust ebendort schwiirm enden 
Dirke entdeckt. Die entlaufene Sklavin soll ihr Vergehn 
mit dem Tode büßen, und mit ausgesuchter Grausamkeit 
wird sie dazu verurteilt, von einem wilden Stiere, an dessen 
Hörner sie gebunden werden soll, zu Tode geschleift zu 
werden. Schon machen sich zwei kräftige junge Hirten 
daran, dem erhaltenen Befehle gemäß das Urteil zu voll- 
strecken; da wird im letzten Augenblicke entdeckt, daß 
eben diese Hirten die Zwillingssöhne der Antiope selbst 
sind, welche diese, von ihrem Vater wegen ihrer heimlichen 
Hingebung an Zeus vom Hause vertrieben, dereinst auf dem 
Kithäron geboren und einem Hirten anvertraut hatte. Nun 
treten die Söhne als Rächer für die Leiden der Mutter auf, 
und Dirke muß dieselbe Strafe erleiden, welche sie über 
Antiope verhängt hzttte. Sie, die kein Erbarmen gekannt 
hatte, wird nun erbarmungslos zu dem Stiere gerissen, und 
während dieser in seiner Wildheit aufspringt und noch einen 
Augenblick von Amphions kräftigen Armen gebändigt wird, 
reißt Zethos das vergeblich die Knie des Amphion um- 
fassende Weib mit roher Faust an den Haaren heran, um
        

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