Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Über Kunst, Künstler und Kunstwerke
Person:
Valentin, Veit
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1392977
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1394606
DIE TRAGIK m WERKEN HELLENISCHER PLASTIK. {I7 
 
haft erschütternder Anblick! Und um ihn zu erhöhen, die 
vollendetste Naturwahrheit in der Körperbildung, eine 
Individualisierung der Formen, die uns porträtartig anmutet 
und doch nicht die Heraushebung der Persönlichkeit aus 
der Fülle gleichartiger Individuen erreicht. Es ist eben 
doch nur irgend ein Gallier, irgend ein Tod, wie er sich 
oft genug wiederholt haben mag, der uns mit einem Schlage 
das Schicksal von Tausenden vor Augen führt, bei welchen 
jedoch in dem Maße, wie er verallgemeinert ist, auch das 
individuelle Interesse sich verringert. 
Auch in diesen beiden Werken versäumte der Künstler 
nicht, unsere Vorstellung realistisch durch Blut und Wunden 
zu berühren: aber wir werden zugleich in das seelische 
Leben geführt, das sich in der wilden Entschlossenheit 
und in der finsteren V erzweiiiung abspiegelt und uns den 
Zusammenbruch froher Hoffnung, die nutzlos gewordene 
Überwindung von Kampf und Gefahren, die Enttäuschung 
des oft erfüllten Siegesbewußtseins ahnen läßt. Der Mangel 
einer vollständig zum Ausdrucke gekommenen Einzelperson- 
lichkeit, während doch zugleich nur einzelne Individuen 
dargestellt sind, verleiht ihnen ferner um so leichter eine 
typische Bedeutung und läßt uns in diesem Einzeluntergange 
den Untergang eines ganzen Volkes erblicken, wodurch 
unser Gemüt noch tiefer ergriffen wird, obgleich dieses 
Volk zur Rettung der Kultur untergehen mußte. Es ist 
ein Griff in die Saiten des allgemeinen Menschengeschickes, 
und der Klang ist ein tieftrauriger. Aber auch hier gelangt 
das Tragische nicht zum Durchbruch. Wir sind auch hier 
auf einer Vorstufe, auf Welcher zwar das körperliche Leiden 
nicht mehr einseitig in den Vordergrund tritt, sondern 
ein seelisches Leiden zum Ausdruck bringt, ohne jedoch 
seine Bedeutung als selbständiges und in seiner VVirkting 
wohlberechnetes Element aufzugeben. 
Diese Verwertung des seelischen Leidens neben dem 
körperlichen zur Erzielung einer Schmerzempfindung scheint 
in der weiteren Entwickelung dieser hier zu so bedeutenden 
Äußerungen gelangten Kunstrichtung bald wieder zurück- 
getreten zu sein, um der Wirkung durch das körperliche 
Leiden den unbestrittenen Vorrang zu lassen, dem Drange
        

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