Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Über Kunst, Künstler und Kunstwerke
Person:
Valentin, Veit
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1392977
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1394598
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TRAGIK m WERKEN 
D112 
PLASTIK. 
HELLENISCHER 
und ganzen nach anderer Seite zielenden Gesamtwirkung, 
sondern als der eigentliche künstlerische Zweck des Werkes 
deutlich hervor. Und in der That ist auch der Künstler 
diesem Ziele hier näher gekommen. Dasindividuellelnteresse 
ist zwar nicht vollständig da: wir sehen eben auch nur 
irgend einen, nicht diesen besonderen Menschen; aber es. 
ist durch den Umstand erhöht, daß wir es überhaupt nur 
mit einzelnen Menschen und ihrem Geschicke zu thun haben, 
daß sich das Interesse auf diese konzentriert, nicht aber 
durch andere Persönlichkeiten abgezogen wird. Die Schmerz- 
empfindung gewinnt daher Wenigstens etwas der persön- 
lichen Teilnahme Ähnliches, kann aber doch nicht die volle 
Kraft der Teilnahme gewinnen, die aus dem Widerstreit 
mit einer nur dieser besonderen Persönlichkeit zukommen- 
den Berechtigung entspringt: sie bleibt auf der Stufe des 
allgemeinmenschlichen Mitleides stehen. Zudem wird sie 
durch die Vorstellung beeinträchtigt, daß wir es in beiden 
Fällen mit Menschen zu thun haben, deren Tod als eine 
Befreiung, eine Erlösung erscheint und somit auf uns als 
eine Beruhigung wirken muß. Soll demgegenüber dennoch 
Sympathie erweckt werden, so kann dies wiederum nur 
durch die besondere Art des Todes geschehen, in welcher 
am deutlichsten das individuelle Element sich ausspricht.. 
Dies ist in beiden Fällen meisterhaft erreicht. Da ist der 
Mann gezwungen, das eigene Weib zu töten, um sie vor 
Sklaverei zu retten  und wie ergreifend ist das Zusammen- 
brechen der Sterbenden ausgedrückt! Er selbst legt Hand 
an sich: aber sein Tod ist zugleich ein Triumph über seine 
Feinde, denen er die gehoifte Beute im letzten Augen- 
blicke entreißt. Noch tiefer erfaßt uns der verzweiiiungs- 
volle einsame Selbstmord des kapitolinischen Galliers. Alle 
Hoffnung, nicht nur auf Sieg, sondern auch nur auf Rettung, 
ist zerstört: da tötet er sich selbst, und langsam sinkt der 
widerstrebende Körper dem Hießenden Blute nach; kaum 
trägt ihn noch der  trefliich ergänzte  rechte Arm  
schon geknickt, wird er im nächsten Augenblicke zusammen- 
brechen. Dazu der tiefschmerzliche, jeder Hoffnung bare, 
ganz in Kummer getauchte Ausdruck des Gesichtes, das 
aus allen Gliedern sichtlich schwindende Leben  ein wahr-
        

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