Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Über Kunst, Künstler und Kunstwerke
Person:
Valentin, Veit
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1392977
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1394581
D112 
111mm 
YVERKEN HELLENLSCHER PLASTIK. 
U5 
leiter der Mittel unserMitgefühl zu erwecken sich aufbaut, 
und wir dürfen um so mehr annehmen, daß auch bei den 
unversehrtem Gruppen das Bestreben, eine Mitemplindting 
des Schmerzes in dem Beschauer zu erregen, als bewußte 
Absicht von dem Künstler verfolgt wurde, als gerade 
diese Seite in der Ausführung mit einem bedeutenden Ge- 
schicke behandelt ist. War aber diese Absicht die der 
Erregung einer tragischen Empfindung, so entspricht ihr 
die Wirkung nicht in vollem Maße. Wer in die Schlacht 
zieht, zumal als Angreifer, giebt seinen Anspruch auf Be- 
rechtigung zum Leben auf. Fällt er, so erfüllt sich das im 
voraus als möglich gekannte Geschick, und nur ganz be- 
sondere Nebenumstände könnten dieses Geschick zu einem 
tragischen machen. Vielmehr hat gerade der Schlachtentod 
etwas Versöhnendes, da der Verteidiger seines Rechtes 
 und dafür hält sich schießlich jeder Kämpfer  im 
Dienste eines höheren Zweckes, eines Ideales steht. Diesem 
gegenüber hat aber das Individuum keinen Wert. Indem 
es sich selbst aufgiebt und dem Untergange aussetzt, ordnet 
es sich dem Allgemeinen unter, und eine einseitige, nur 
subjektiv berechtigte Betonung seiner Eigenart wird un- 
möglich. Damit ist jedoch gerade das Element ausge- 
schlossen, welches das Tragische begründet. Es bleibt somit 
nur das allgemeinmenschliche Mitleid übrig, das nur durch 
die besondere Art des Unterganges etwas dem individuellen 
Interesse Ähnliches gewinnen kann, ohne dieses selbst zu 
erreichen. Wir stehen also auf einer Vorstufe des Tragischen, 
und zwar einer solchen, auf welcher die Darstellung des 
körperlichen Leidens zum Zwecke der Erregung des Mit- 
leids nicht nur beibehalten, sondern sogarin hervorragendem 
Maße und als hatiptsiichliches Mittel benutzt wird. 
Anders verhält es sich mit den beiden Werken, welche 
gleichfalls der pergamenischen Kunst entstammen, dem 
sterbenden Gallier auf dem Kapitole und der Galliergrupjwc 
in Villa Ludovisi. Ist die Voraussetzung ebenso richtig 
wie sie wahrscheinlich ist, daß nämlich jedes dieser beiden 
Werke eine Einzelschöpftmg ist, so tritt die Absicht des 
Künstlers, tragisch zu wirken, nicht wie bei jenen großen 
Gruppen nur als Einzelmoment innerhalb einer im großen
        

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