Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Über Kunst, Künstler und Kunstwerke
Person:
Valentin, Veit
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1392977
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1394565
D11: TRAGIK m WERKEN HELLENISCHER PLASTIK. 
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erhält, weit unter dem bleibt, was die vergeltende Gerechtig- 
keit verlangen müßte. Träte an Stelle dieses Mißverhält- 
nisses, welches gerade die Quelle unseres tragischen Mitleides 
ist, das der Vernunft entsprechende richtige Verhältnis von 
Überschreitung und Strafe, so wäre zwar unser Verstand 
befriedigt, unsere Erregung und Empörung beruhigt, aber 
von einer ästhetischen Empfindung wäre keine Rede mehr, 
geschweige denn von einer tragischen. Wenn daher der 
Versuch gemacht wird, einen Kriminalfall ästhetisch zu 
verwerten, so ist neben der vielleicht erreichten Befriedigung 
durch die Beschäftigung des Verstandes in der Verfolgung 
der Intrigue, sowie durch die Erfüllung dessen, was die 
Vernunft verlangt, die unausbleibliche Schlußemplindung 
die der Abspannting, die in schrolfem Gegensätze steht zu 
dem durch die Befreiung von einer absichtlich herbeige- 
führten Schnierzempfindung entstehenden Wohlgefühl, in 
dessen schließlicher Erweckung unsere Freude am Tragischen 
ihren Grund hat. 
So entwickelt sich die Freude am Schmerze oder richtiger 
an der durch willkürliche Schmerzherbeiführung und seiner 
Wiederentfernung erreichten Befreiung vom Schmerze von 
einer rein körperlichen zu einer rein seelischen Empfindung 
auf einer Reihe von Stufen bis zu der höchsten, der Tragik. 
Es wird daher möglich sein, Werke, welche sich dieses 
Mittels der Erregung einer Schmerzemplindung zur Er- 
reichung einer ästhetischen Wirkung bedienen, dadurch 
in ihrer ästhetischen Bedeutung richtig zu würdigen, daß 
ihre Zugehörigkeit zu einer oder der anderen dieser Stufen 
nachgewiesen wird. Dies soll nun mit den pergamenischen 
Statuen geschehen. 
III. 
Für die zu dem pergamenischen Weihegeschenk auf der 
Akropolis zu Athen gehörigen Reste muß zunächst hervor- 
gehoben werden, daß infolge des Zufalles, der uns als sicher 
zugehörig nur Unterliegende und Erschlagene erhalten hat, 
das Urteil sich leicht dahin verschieben könnte, als ob 
die Betonung dieser das Leiden darstellenden Seite des 
Kampfes das Hauptziel des Künstlers gewesen wäre. Inner- 
V21": VALENTIN. 8
        

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