Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Über Kunst, Künstler und Kunstwerke
Person:
Valentin, Veit
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1392977
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1394499
106 DIE TRAGIK m WERKEN HELLENISCHER PLASTIK. 
 
Um so erfreulicher aber ist die Empfindung, welche sich 
beim Aufhören des Schmerzes einstellt, so daß sich die 
Erlangung des ursprünglichen Zustandes der Schmerzlosig- 
keit, welcher vorher als selbständige Empfindung nicht 
zum Bewußtsein gekommen war, jetzt als positive Empfin- 
dung eines Wonnegefühls benierklich macht, als solche 
jedoch wieder aufhört und in dem Gesamtbewußtsein unter- 
geht, sobald der Zustand der Schmerzlosigkeit zum dauern- 
den wird. Die einfachsten Beispiele bieten die alltäglichen 
Funktionen des Körpers: jede Befreiung von einem vom 
Unbehagen bis zum Schmerze sich steigernden Drange 
erregt ein dem Grade nach dem Drange selbst ent- 
sprechendes Wonnegefühl, das sich allmählich verliert, da 
der neugewonnene Zustand bald in Folge seiner Dauer 
nicht mehr in seiner Besonderheit empfunden wird. So 
geht die Empfindung allmählich in den Zustand der 
Gleichgiltigkeit über, kommt gleichsam auf dem Nullpunkt 
der Emphndungslosigkeit an, der auf die Dauer schwer 
zu ertragen ist und dessen Gleichförmigkeit eine Unter- 
brechung wünschenswert macht. Selbstverständlich geht 
der Wunsch nach der Richtung, daß die ersehnte Empfin- 
dung ein Wohlgefühl ist. Diese tritt dann ein, wenn 
eine Steigerung der Empfindung stattfindet. Geschieht 
diese Steigerung von dem Nullpunkte aus aufwärts durch 
Hervorrufung eines neu hinzukommenden Wonnegefühls, 
so tritt als Schlußempfindung ein Zurücksinken auf den ur- 
sprünglichen Zustand ein: auf die erhöhte Empfindung folgt 
eine Ermattung, wie es nach jeder Steigerung des körper- 
lichen Wohlempfindens über den gewöhnlichen Grad des 
nicht mehr als besonderes Gefühl zum Bewußtsein kommen- 
den Empfindungsztistandes hinaus thatsächlich der Fall 
ist. Geschieht aber die Steigerung so, daß sie von einem 
Punkte unterhalb des Nullpunktes der Empfindung begon- 
nen wird, daß sie also in der Wiedererlangung des ur- 
sprünglichen Zustandes besteht, so macht sich diese 
Wiedererlangung als Wonnegefühl geltend, und die 
Schlußenipßndung des ganzen Vorganges ist nicht die 
der Erniattung, sondern die der Erhöhung, die eines 
positiven Wohlgefühls. Will man ein solches Wohlge-
        

Nutzerhinweis

Sehr geehrte Benutzer,

aufgrund der aktuellen Entwicklungen in der Webtechnologie, die im Goobi viewer verwendet wird, unterstützt die Software den von Ihnen verwendeten Browser nicht mehr.

Bitte benutzen Sie einen der folgenden Browser, um diese Seite korrekt darstellen zu können.

Vielen Dank für Ihr Verständnis.