Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Über Kunst, Künstler und Kunstwerke
Person:
Valentin, Veit
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1392977
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1394486
Dnz TRAGIK m 
WERKEN 
HELLENISCHER PLASTIK. 
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das höchste Ziel vor Augen gehabt haben, welches ihrer 
Kunst erreichbar ist, daß der Meister des Weihegeschenkes 
sicherlich für einzelne Teile seiner Gruppe, für die Unter- 
liegenden, und diese sind es ja gerade, die uns zum Teil 
erhalten sind, der oder die Meister der beiden Einzelwerke 
für diese Schöpfungen tragische Empfindung als künstlerische 
Wirkung erstrebt haben. Ist nun diese Wirkung erreicht, 
und welche Mittel sind für die beabsichtigte Wirkung ver- 
wendet? Es ist kein Zweifel, daß eine Lösung dieser Frage 
für die Auffassungsweise der ganzen Zeit, für die ästhetische 
Bedeutung ihrer Kunstwerke von entscheidender Wichtig- 
keit ist. Von diesem Gesichtspunkte aus soll sie in folgen- 
dem versucht werden. 
XVir wenden den Ausdruck ntragischa hiiuiig auch da 
an, wo dem Tragischen allerdings verwandte Empfindungen 
hervortreten, eine scharfe Fassung des Begriffes aber seine 
Anwendung dennoch verbietet. Kunstwerken gegenüber, 
zumal solchen von der Bedeutung der pergamenischen 
Skulpturen, kann jedoch der Begriff nicht scharf genug 
gefaßt werden, wenn ihre Würdigung eine gerechte sein 
soll. Wir können uns daher einer Untersuchung des Be- 
griffes nicht entziehen und gedenken es um so weniger 
zu thun, als der einzuschlagende Weg vielleicht ein selb- 
ständiges Interesse darbietet. 
Die Freude am Tragischen sowie an den ihm ver- 
wandten Empfindungen beruht auf dem gemeinsamen Boden 
der nicht allzuleicht verständlichen und doch thatsächlichen 
Freude am Schmerz. Soll diese auf dem ästhetischen 
Gebiete begreiiiich werden, so kann dies nur dadurch ge- 
schehen, daß wir auf das ursprüngliche Gebiet des Schmerzes 
zurückgreifen und hier nach analogen Erscheinungen suchen. 
Das Wesen des Schmerzes ist überall dasselbe. je elemen- 
tarer jedoch seine Äußerungen sind, um so eher können sie 
in ihrer Eigentümlichkeit erfaßt werden. 
Das ursprünglichste Gebiet des Schmerzes ist der Körper, 
das Auftreten des Schmerzes sicherlich nichts Erfreuliches.
        

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