Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Über Kunst, Künstler und Kunstwerke
Person:
Valentin, Veit
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1392977
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1394443
DIE TRAGIK IN WERKEN HELLENISCHER PLASTIK. IOI 
 
weist, nichts Alleinstehendes. Zudem haben die alten 
Künstler keinen Kanon gehabt, über den hinauszugehen 
nicht erlaubt gewesen wäre, sondern eine Überlieferung, 
die nie sklavisch befolgt worden ist. Gar seltsam ist es, 
wenn ietzt häufig unsere obendrein recht lückenhafte 
Kenntnis der Kunstwerke des Altertums zu einem solchen 
Kanon umgestempelt wird, und demgemäß Schlüsse gemacht 
werden. Weil die uns bekannten Werke gewöhnlich dem 
Giganten kein Schwert geben, so soll diese Figur, die ein 
Schwert hat, kein Gigant sein können. Das Richtige ist selbst- 
verständlich, daß, wenn alle sonstigen Merkmale auf einen 
Giganten hinweisen, unsere lückenhafte Kenntnis, statt 
eine Möglichkeit auszuschließen, sich um eine Thatsache 
bereichert. Auch das um den linken Arm geschlungene 
Löwenfell wird sich am besten für den höchsten Grad der 
Wildheit eignen. Wenn aber der Künstler nicht, wie es 
bei dem neuen Funde, jedoch nicht immer, der Fall ist, 
die Giganten mit Schlangenfüßen dargestellt hat, so zeigt 
er damit nur seinen künstlerischen Takt: was sich für das 
Relief eignet und dort zu besonderer Schönheit ausge- 
nutzt werden kann, widerstrebt dem freistehenden Marmor- 
werke. Dazu mag noch gekommen sein, daß durch diese 
Vermenschlichung der Giganten die Darstellung dieser 
Gruppe in eine engere F0rmverwandtschaft mit den übrigen, 
unmittelbar danebenstehenden, gleichzeitig zu überschauen- 
den Gruppen trat, ohne daß ein fremdartiges Element die 
beabsichtigte Gleichstellung gestört hätte. 
Überblicken wir nochmals die Reste, so finden wir 
Vertreter fast aller Parteien: nur Götter und Griechen 
fehlen. Sollten sich diese nicht auch noch irgendwo in 
Museen verstecken und nur deswegen bis jetzt nicht er- 
kannt worden sein, weil gerade diese beiden Parteien in 
ihren charakteristischen Merkmalen nichts haben konnten, 
was sie uns als Glieder dieser Gruppe und nicht ebenso- 
gut als die einer andern Gruppe oder als selbständige 
Werke hätte erscheinen lassen können? Hier könnten nur 
die Größenverhältnisse und die Stileigentümlichkeiten für 
das Urteil maßgebend sein. 
Die bisher erwähnten Statuen sind uns aller Wahrschein-
        

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