Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Über Kunst, Künstler und Kunstwerke
Person:
Valentin, Veit
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1392977
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1394437
IOO 
DIE 
PLASTIK. 
TRAGIK IN WERKEN HELLENISCHER 
Feinde geschmückt und boten mit dieser Beute einen um 
so merkwürdigeren Anblick dar, als er sie als früher sieg- 
reiche und daher gefährliche Gegner kennzeichnete. 
Wenn wir die bei Castelani in Rom beiindliche Statue 
(2) als zu sehr aus echten und unechten Teilen, unter 
Vorwiegen der letzteren, zusammengestückelt lieber bei 
Seite lassen, so bleiben noch drei Figuren übrig, welche 
eher einen Zweifel über ihre Bedeutung zulassen können. 
Die Zipfelmütze der römischen Statue (3) verbietet einen 
Gallier anzunehmen, die sonst vollständige Nackheit schließt 
den Perser aus. Da nun die spitze Mütze auf Asien hin- 
deutet, so ergiebt sich wohl mit Sicherheit, daß wir hier 
einen Pergamener, einen Krieger des aus griechischen und 
asiatischen Elementen gemischten Staatswesens vor uns 
sehen. Hier scheint das barbarische Element den Vorrang 
zu haben, Worauf außer der Körperbildung besonders das 
in derben Zügen gebildete und durch den erschreckenden 
Ausdruck verzweifelnder Sorge noch wilder gemachte Ge- 
sicht hindeutet. Gleichfalls für einen Pergamener, aber 
griechischen Elementes, möchten wir den Jüngling in 
Venedig halten  dessen edler, sorgfältig durchgebildeter 
Körper, im Vereine mit dem lockigen Haare, das sich deutlich 
von dem der Gallier unterscheidet, auf griechische Kultur 
hinweist, während der sechseckige Schild und auch der 
gewundene Leibgurt tingriechische Merkmale sind und, da 
Gallier und Perser ausgeschlossen bleiben, nur bei einem 
Pergamener vorausgesetzt werden können. In der letzten 
Figur, dem Toten in Neapel  könnte man zunächst 
einen Gallier vermuten. Beobachtet man aber die gerade 
den Galliern gegenüber gesteigerte Wildheit im Ausdruck 
wie im Haare, den den Galliern fremden Vollbart, die nicht 
nur wie bei dem Gallier in Neapel (8) unter den Armen, 
sondern auch über dem Brustbein ausgeführten zottigen 
Haare, die sich bei keinem der Gallier finden, so müssen 
wir eine Persönlichkeit voraussetzen, welche gerade in 
diesem höheren Grade von Wildheit ihr Kennzeichen 
finden muß, und dies kann nur ein Gigant sein. Wenn 
der Künstler ihm statt eines Baumastes als Waffe ein 
Schwert gegeben hat, so ist dies, wie Overbeck nach-
        

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