Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Über Kunst, Künstler und Kunstwerke
Person:
Valentin, Veit
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1392977
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1394390
96 Dm TRAGIK m WERKEN HELLENISCHER PLASTIK. 
ebenbürtig an die Seite traten. Neben diese Doppelgruppe 
trat nun die zweite, in welcher zunächst die Gruppe des 
siegreichen Kampfes der Pergamener gegen die Gallier 
den historischen Kern bildete. Auch ihm mußte ein 
mythisches Gegenbild zu Teil werden, welches den Kampf 
des Attalos erst in seiner ganzen Größe und Wichtigkeit 
erkennen lassen sollte. Und hier wählte der König nichts 
Geringeres als den Kampf der Götter gegen die Giganten: 
waren die barbarischen Gallier wild und furchtbar wie die 
Giganten, so waren der König und die Seinen den Göttern 
gleich und über die Barbaren erhaben wie die Himmlischen 
über die aufrührerischen Riesen. 
Auch die ältere griechische Kunst hat solche mythische 
Darstellungen als Gegenbilder oder die Hereinziehung der 
Gottheiten in die historische Welt gekannt. So waren in 
dem Weihegeschenk der Phoker in Delphi die Heroen ihres 
Landes mit den siegreichen Feldherren zusammengestellt, 
in dem marathonischen Siegesdenkmal des Phidias Athene 
und Apollon mit Miltiad-es vereint, zu welchen noch die 
Heroen des Landes traten. Und als die Aegineten den 
Ruhm verewigen wollten, der ihnen bei der Abwehr der 
Perser von Griechenland, besonders in der Schlacht bei Sa- 
lamis, zu Teil geworden war, da stellten sie in die Giebel 
ihres Tempels Telamon und Aias, nAeginas starke Horten, 
wie sie einen gefallenen Gefährten gegen die Barbaren 
verteidigten und diese zurückschlugen: zu ihnen aber trat 
schützend Pallas Athene. Der Grundgedanke ist hier 
offenbar überall der der frommen Erkenntnis, daß die ge- 
feierten Großthaten nur durch Hilfe der Gottheit, nicht 
durch Menschenhand allein geschehen sind, daß deshalb die 
Menschen bescheiden neben den höheren Mächten zurück- 
treten und eben dadurch das ihnen gesetzte Maß nicht über- 
schreiten. So drückt die Plastik mit ihren beschränkteren 
Mitteln dieselbe Grundstimmung aus, die mit ihren reicheren 
Mitteln die pindarische Poesie immer und immer wieder 
hervorhebt und der sie eine Wendung verleiht, wie sie die 
Plastik unmittelbar nicht ausdrücken konnte: die Warnung 
vor der Selbstüberhebung, die Mahnung in den Schranken 
zu bleiben, welche den Sterblichen gesetzt sind.
        

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