Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Über Kunst, Künstler und Kunstwerke
Person:
Valentin, Veit
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1392977
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1394356
92 Em GRUNDPROBLEM DES KUNSTGEWERBES. 
 
würde. Damit ist aber der falsche Weg betreten, welcher 
das Kunstgewerbe schädigt und das Publikum irreführt. 
Glücklicherweise wird nicht die ganze Massenproduktion 
von diesem traurigen Bestreben nach Stofftätischting be- 
herrscht. Es scheint doch auch hier allmählich der Gedanke 
durchzudringen, daß die Grundbedingung für "eine gedeih- 
liche kunstgewerbliche Thätigkeit in dem offenen Bekenntnis 
des Stoffes liegt: erst so wird die künstlerische Verwertung 
seiner eigentümlichen Kräfte ermöglicht, und das Verständnis 
für sie und damit auch für die Berechtigung der Anwendung 
des neuen Stoffes gewonnen. Ist dies aber der Fall, so 
kann sich die durch die Technik verlangte Arbeitsteilung 
bei der Maschinenproduktion auch wieder segensreich er- 
weisen. Während die technische Herstellung eine Sache 
für sich ist, gelangt andrerseits die schöpferische Thätig- 
keit des Erfinders zu erhöhter Bedeutung. So scheidet 
sich aus der großen Masse der Produzierenden ein kleiner 
Teil, der künstlerisch schaffende, aus. Ihm ist es möglich, 
sich eine höhere künstlerische Vorbildung zu verschaffen, 
die Natur der zu behandelnden Stoffe sich klar zu machen, 
die historische Entwickelung der Sprache der bildlichen 
Formen, sowie ihre ästhetische Bedeutung kennen zu lernen 
und demgemäß ihr Schaffen zu gestalten. Freilich wird 
ihm die Leistungsfähigkeit der Maschine Schranken auf- 
erlegen; aber der rechte Künstler wird gerade in diesen 
Schranken Wieder neue Quellen für die Ausbildung der 
Formensprache zu finden wissen: gerade hierin wird er 
beweisen, daß er Künstler ist. Eines aber wird auf diesem 
Wege immer verloren gehen: der unmittelbare Ausdruck 
der Persönlichkeit. Da bleibt denn nur zu hoffen, daß 
neben der Mehrzahl der Minderbemittelten, welche ihr 
ästhetisches Bedürfnis mit den Maschiuenprodukten des 
Kunstgewerbes befriedigen muß, es Wohlhabende genug 
gebe, welche mit den Mitteln auch das Bedürfnis besitzen, 
unmittelbar vom Künstler selbst Geschaffenes nicht bloß 
auf dem Gebiete der Kunst im engeren Sinne, sondern 
auch auf dem weitem Kunstgebiete, auf dem des Kunst- 
gewerbes zu verstehen und zu begehren: wo zwischen 
Erfindung und Ausführung die Hand allein thätig ist, kann
        

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