Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Über Kunst, Künstler und Kunstwerke
Person:
Valentin, Veit
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1392977
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1394334
90 EIN GRUNDPROBLEM ms KUNSTGEWERBES. 
 
mus; in der späten Gotik, im Rokoko ist der Naturalismus 
zum entschiedensten Durchbruch gekommen, wenn sich 
dort das Astwerk bildet und hier iigürliche Balkenträger 
den Ausdruck momentaner Seelenstimmung erstreben. 
In der geschichtlichen Entwickelung folgt natürlich 
das Kunsthandwerk der von der Kunst überhaupt ein- 
geschlagenen Richtung. In einer Zeit, welche außerhalb 
einer sich naturgemäß vollziehenden, die jedesmaiige Gegen- 
wart ganz und im wesentlichen gleichmäßig ergreifenden 
Entwickelung steht, welche tastend und hilfsbedürftig bald hier- 
hin, bald dorthin greift, um festen Boden zu finden, ist es 
jedoch berechtigt und notwendig, den sicheren Ausgangs- 
punkt wissenschaftlich festzustellen. Das Resultat ist dies, 
daß nur die stilisierende Behandlung der bildlichen Formen 
demCharakterderkunstgewerblichenSchöpfungentsprechen. 
Auf Schulen sollte daher diese Behandlung wie die fest- 
stehende grammatische Regel gelehrt werden: nur sie 
gestattet es, dem wichtigsten Gesichtspunkte die herrschende 
Bedeutung zu verleihen, die er verdient, dem Einführen in 
die Charakteristik des Stoffes; nur sie gestattet es aber 
auch, die dienende symbolische Bedeutung der bildlichen 
Formen auf Grund der richtig erkannten, dem besonderen 
Stoffe innewohnenden Kräfte in den Dienst eben dieser 
Kräfte zu stellen und so das richtige Verhältnis zwischen 
beiden herzustellen. Von diesem sicheren Boden aus mag 
dann das Genie seine Flüge unternehmen: auch bei dem 
kühnsten wird es des rechten Leitsterns nicht entbehren. 
Das nachschaffende Talent aber wird durch die daneben 
hergehende historische Betrachtung nicht zu verkehrter 
Nachahmung, nicht zu gedankenloser Vermischung der 
Formen, nicht zu einer mit der konstruktiven Kraft des 
Stoffes im Widerspruch stehenden Formenbildting gelangen. 
Durch derartige Schöpfungen kann auch das Publikum all- 
mählich wieder ein Verständnis für die Bedeutung des 
Stoffes sowie der Form im Kunstgewerbe und ihrer Be- 
ziehung zu einander gewinnen. Damit fängt aber sein 
Urteil an, in gutem Sinne ebenso maßgebend für die Pro- 
duktion zu werden, wie es dies jetzt meist noch in schlechtem 
Sinne ist. Vielleicht läßt sich dann auch die größte Gefahr,
        

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