Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Über Kunst, Künstler und Kunstwerke
Person:
Valentin, Veit
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1392977
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1394319
88 Em GRUNDPROBLEM DES KUNSTGEWERBES. 
fühls, welches also, wenn es ein vollkommnes sein soll, 
sowohl nach der stoHiichen als auch nach der formbildlichen 
Seite hin wirken muß. Daß auch diese Seite des Stilgefühls 
im großen Publikum nicht vorhanden ist, daß auch hier 
das Kunststück, die der Erwartung möglichst widersprechende 
Erscheinung, in vollster Blüte steht, das zeigt jeder Blick 
in das praktische Kunstgewerbe. Es drängt sich dabei die 
Beobachtung auf, daß dies Mißverhiiltnis zwischen der Kraft, 
die zum Ausdruck kommen soll, und der Form, welche 
diesen Ausdruck zu geben hat, in demselben Grade Wächst, 
in welchem die kunstgewerbliche Schöpfung sich von 
ihrem sichersten Vorbilde oder doch wenigstens ihrem 
sichersten Leitstern, der Architektur, entfernt. In der 
Architektur, die nach ihrer bildlichen Seite hin sehr wohl 
zum Kunsthandwerk zu rechnen ist, kommen die wirken- 
den Kräfte naturgemäß am deutlichsten zum Bewußtsein, 
sodaß auch da, wo sie zeitweilig verdunkelt werden und 
die Formsprache zur Willkür wird, ihre ursprüngliche Be- 
deutung sich doch immer wieder am ersten hervordrängt 
und einen reinigenden Einfluß auch auf das mit ihr Zu- 
sammenhängende auszuüben vermag. Wo aber dieser 
Zusammenhang aufhört, wo, wie beim Ausputz der eigenen 
Erscheinung, die subjektive Willkür ungehemmt hervor- 
bricht und jeder Laune, jeder Liebhaberei der Weg oHen 
steht, da hat der Mangel an Stilgefühl, wie er sich im 
Mißverständnis des Verhältnisses der Form zu der prak- 
tischen Verwendung des zu solchem Zwecke umgestalteten 
Stoffes zeigt, ein unerschöpfliches Feld. 
Aber auch wenn die symbolische Bedeutung der 
Form erkannt ist, bietet die Behandlung der Form Schwierig- 
keiten, welche ihre Lösung nur in der richtigen Erfassung 
der symbolischen Aufgabe der bildlichen Form finden 
können. Darf diese dahin bestimmt werden, daß sie die 
im praktischen Gebrauche zur Verwendung kommende 
Kraft des Stoffes, seine gerade hier wirkende Funktion 
für die Anschauung andeuten soll, so ist die Art, wie das 
geschehen kann, doch eine vielfache. Im wesentlichen 
wird sie sich aber auf die Hauptunterschiede in der Behand- 
lung der bildlichen Form überhaupt zurückführen lassen.
        

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