Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Über Kunst, Künstler und Kunstwerke
Person:
Valentin, Veit
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1392977
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1394309
Em GRUNDPROBLEM DES Kuusrsswßvßnßßs. 87 
 
aus, aber doch so, daß mit der Thatsache, daß er Träger 
dieser Form geworden ist, seine Aufgabe ihr Ende erreicht 
hat; bei dem kunstgewerblichen Erzeugnisse fängt aber 
in diesem Augenblicke der Erreichung der gewünschten 
Formbildung die auf praktischen Gebrauch ausgehende 
Aufgabe des umgestalteten Stoffes recht eigentlich erst an. 
Die bildliche Form darf also zur Erfüllung des praktischen 
Zweckes, der jetzt erst beginnenden Aufgabe des umge- 
stalteten Stoffes, sich nicht gleichgiltig verhalten oder gar 
ihre eigenen Wege gehen: sie muß vielmehr helfend, 
dienend, erläuternd eintreten, sie muß die im Stoffe 
schlummernden, durch seine praktische Umgestaltung that- 
sächlich lebendig gemachten Eigenschaften auch für die 
Anschauung beleben, sie muß eine Sprache reden, in welcher 
die mobil gewordene Kraft des Stoffes sich zu äußern 
und verständlich zu machen vermag. Soll aber die Form 
gleich einer Sprache andeuten, so muß sie mit dem Cha- 
rakter der lebendig gewordenen Kraft eine innere Verwandt- 
schaft haben: nur diese Gleichartigkeit gestattet es, daß 
sie sinnbildlich, daß sie symbolisch wirke. Soll die auf- 
steigende Kraft der Säule im Kampfe mit dem lastenden 
Tragbalken zur Anschauung kommen, so ist das Blatt eine 
trefliiche Form; der Last kann es sich beugen, kraft seiner 
Elastizität strebt es aber empor, dem natürlichen Ziele seines 
Wachstums folgend. Wo diese sinnbildliche Sprache 
der Form aufhört, wo sie in ein Mißverhältnis zu der 
Kraft tritt, die sie aussprechen soll, da ist sie ein Mißbrauch, 
und das Zusammentreten von Stoff und Form bleibt eine 
Willkür. Sowie also einerseits als grundlegende Vorbe- 
dingung zur Schaffung eines kunstgewerblichen Gegenstandes 
das Verständnis der eigenartigen Natur jedes Stoffes gehört, 
damit man überhaupt wisse was zum Ausdruck gelangen 
soll und wie es der Natur des besondern Stoffes entspre- 
chend allein zum Ausdruck kommen kann, so gehört an- 
dererseits das Verständnis der Form dazu, damit für die 
richtig empfundene Natur des Stoffes auch die richtige 
Sprache gefunden werde. Die Fähigkeit die sprachliche 
Kraft der Formen, ihre sinnbildliche Befähigung herauszu- 
fühlen oder zu erkennen, ist die zweite Seite des Stilge-
        

Nutzerhinweis

Sehr geehrte Benutzer,

aufgrund der aktuellen Entwicklungen in der Webtechnologie, die im Goobi viewer verwendet wird, unterstützt die Software den von Ihnen verwendeten Browser nicht mehr.

Bitte benutzen Sie einen der folgenden Browser, um diese Seite korrekt darstellen zu können.

Vielen Dank für Ihr Verständnis.