Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Über Kunst, Künstler und Kunstwerke
Person:
Valentin, Veit
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1392977
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1394285
EIN GRUNDPROBLEM DES KUNSTGEWERBES. 85 
Thones sowie die Schwierigkeit bei der immer neuen Mo- 
dellierung jedes einzelnen Stückes treten hindernd ein. 
Aus beiden Gründen erscheint die undurchbrochene glatte 
Wandung der Natur des Stoffes und der gewöhnlichen Art 
der Herstellung des Gefäßes auf der Scheibe allein ent- 
sprechend. Soll das Gefäß dennoch nachahmende Bedeu- 
tung haben, so bietet gerade die glatte Wandung ein gutes 
Mittel, durch Einritzung oder durch Farbenauftrag an die 
Form des Vorbildes zu erinnern. Gerade weil aber hierdurch 
nur erinnert, nicht getäuscht werden soll, gewinnt diese 
nachbildende, erinnernde Form volle Freiheit der Entwicke- 
lung, die allmählich zu einer solchen Selbständigkeit und 
Unabhängigkeit führt, daß die Art der Entstehung mit der 
Zeit vollständig verdunkelt wird. 
An Stelle des Thones soll das verwandte Porzellan 
treten. Bei ihm tritt die Herstellung durch Formen ein. 
Infolge dieser Art der Gestaltung macht ein durchbrochenes 
Geräte keine besonderen Schwierigkeiten; wohlaber wird das 
nachahmende Flechtwerk bei der gebrechlichen Natur des 
Stoffes durch diese Technik eine Veränderung erleiden. Die 
einzelnen Flechten müssen mehr Körper haben, um nicht 
zu leicht zu zerbrechen. Sie werden daher kräftiger und 
rundlicher werden als die flachen Stränge des ursprüng- 
lichen Flechtwerkes. Freilich wird hierdurch eine größere 
Schwere bewirkt; diese ist aber doch nicht so groß wie 
bei der entsprechenden Metallmasse und daher dem Gebrauche 
nicht hinderlich. 
Das Glas ist eine leichtflüssige Masse bei der Ver- 
arbeitung. Es könnte daher technisch sehr wohl zu gleicher 
Form gebracht werden, allein die Haupttugend des Glases 
für den Anblick, seine Durchsichtigkeit, fiele für die 
ästhetische Wirkung vollständig weg. Soll aber die 
Durchsichtigkeit zur Geltung kommen, so bedarf es der 
Flächen; es wird also hier wieder die Wandung in ihr 
Recht treten, jedoch aus einem ganz anderen Grunde als bei 
dem Thone. Aber wie bei diesem, bietet die Wandung 
die beste Gelegenheit für Einritzung und Aufmalung von 
Zeichnungen, welche an die ursprünglichen Formen er- 
innern können, sich aber meist wohl lieber der gewonnenen
        

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